Archive for the ‘wahnsinn & alltag’ Category

Nichts und niemand

Mittwoch, März 10th, 2010

Und dann fragt man sich, wo die ganze Wörter geblieben sind, die jahrelang einfach hier auf diese Seite gestolpert sind. Manchmal kann man sich sogar noch dran erinnern, sie geschrieben zu haben, das ist dann ein Erfolgserlebnis. Man fragt sich ob man sie ersoffen hat, im Kaffee, Rotwein und Bier der letzten Wochen und Monate, wobei das meiste davon Kaffee war. Zu viel Arbeit, zu wenige Worte, zu wenige Gelegenheiten? Man hat Angst, dass der kleinste gemeinsame Nenner zwischen mir und dem, was ich hier tue, völliger Blödsinn ist, gleichzeitig wird einem bewusst, dass es immer Blödsinn war. Aber einiges davon war guter Blödsinn.

Man hat nichts zu erzählen, weil man den Teil, der immer nach Luft schnappt, der immer die Hände ringt und sich die Haare rauft, lächelnd beiseite gestellt hat, unbewusst, aber ich weiß nicht ob das ein Schritt in die Richtung ist, die einen faden, erwachsenen Beigeschmack hat.

Man ist so aus der Übung mit dem Saufen, dass man um halb eins ein Taxi rufen muss. Sonntags gibt es Kuchen. Den isst man und genießt man. Wenn da jemand ist, der mich interessiert, dann weiß ich es zumindest nicht und umgekehrt ist es ganz genauso. Man vermisst die guten alten Grenzüberschreitungen und vermisst sie doch nicht. Das fühlt sich richtig und doch nicht richtig an. Zwiegespalten, wie immer. Wenigstens etwas, was man aus der Vergangenheit mit in die Zukunft transportiert hat.

Das Schöne an all dem, ist, dass man für sich selbst die Regeln völlig neu definiert. Es scheint, als würde man das was einen jahrelang begleitet hat – die Sprache und die Leidenschaft dafür – neu kennen lernen. Ein großer Haufen Sprachlosigkeit, so wunderschön, dass man weiß: Es kann nichts verloren gehen.

Fett fühle ich mich. Und übersäuert. Und alles. Innerlich. Aber das macht nichts, da ist diese kleine, abwartende Leere in mir – eine klassische Schönheit – und die bügelt alles wieder glatt. Ich will gar nicht schreiben über irgendwas oder irgendwen. Ich will schreiben darüber wie schön Dinge manchmal klingen. Und wenn kaum jemand es liest und unterschreibt, ich weiß trotzdem, irgendwer wird das schon verstehen.

Vielleicht kommt er bald mal wieder: ein Tatsachenbericht über Stereotypen, von einem Stereotypen. So muss das sein. Manchmal. Irgendwie. Wie sollte es auch anders sein? Es ist faszinierend zu sehen wie Dinge, für die man sich bewusst entschieden hat, Hand in Hand gehen mit Dingen, die einen rückwirkend geformt oder irgendwohin gebracht haben, ohne dass man sich zu irgendeinem Zeitpunkt dazu entschieden hat.

Feierabend jetzt. Mit diesem Himmel. Ehrlich Mann, ich finde ihn gerade ziemlich großartig.

Es gibt so Phrasen…

Dienstag, Januar 19th, 2010

Ich werde nie wirklich gut mit Menschen befreundet sein können, die so Sachen sagen wie “Das muss doch nicht sein, dass man das alles ins Internet schreibt und das so zur Schau stellt, das geht doch keinen was an.”

Seltsamerweise ist es schon viele Monate her, dass jemand mal etwas ähnliches zu mir sagte. Jedenfalls müsste man sich eigentlich mal vor diese Leute stellen, warten bis sie anfangen zu erzählen und dann in einem ungeduldigen Ton fragen, ob es Umstände bereiten würde, einfach mal relativ zeitnah die Fresse zu halten. Und wenn man dann zur Antwort bekommt “Aber es geht doch nur um meinen Verein…das letzte Wochenende… das bisschen Zorn… den Job … den Urlaub?!”, dann zuckt man wie ein dummes Kalb mit den Schultern und sagt in einem ziemlich beschissenen Ton: “Ja schon klar, es sei dir gegönnt, aber das ist mir halt irgendwie zu privat, das geht doch niemanden was an.”

Am besten sind die Menschen, die immer gesagt haben oder noch sagen”Aber das bringt doch nichts.” Alter… du sammelst Schlepper… meinst du, DAS bringt mehr? Es gibt Leute, die treten in ner Mannschaft nach´nem Ball oder onanieren bis sie in Ohnmacht fallen oder lesen gern Bücher über irgendwelche wundersamen Welten mit Schwertkämpfern, Drachen, Zauberern und so einem Scheiß. Es gibt World of Warcraft. Das ist gruselig, ich meine… ich diskutiere nicht über den “Das bringt doch nichts!”-Aspekt, wenn parallel dazu draußen vor den Rechnern in der Welt Menschen sitzen und World of Warcraft spielen.

Es gibt Menschen, die schminken sich total gerne. Die können sich drei Stunden am Tag nur schminken. Nur schminken, sonst nichts. Fragt bloß nicht, wieso. Oder shoppen. Es gibt Leute, die hämmern und sägen auch gerne. Kein Mensch fragt die, was das denn bringt. Du siehst die hämmern und segen und denkst dir: “In Ordnung, das ist ihre Freizeitbeschäftigung.” Die Leute gehen drin auf, an Autos rumzuschrauben, Kieselsteine zu sammeln, zu angeln, ein Instrument zu erlernen, zu tanzen, Skilanglauf, Seidenmalerei, Schneckenweitspucken. Die Leute machen den größten Scheiß, die Engländer sind am schlimmsten, und ich sage, solange es Spaß bringt, ist das absolut richtig. Es hat nichts mit der Zurschaustellung von Personen zu tun. Kein Schwein weiß durch das Lesen von irgendwelchen Blogeinträgen wirklich wie ein Mensch momentan tickt, kein Mensch kann vorhersehen, wie derjenige in ein paar Wochen oder Monaten ticken wird. Du kannst das nicht wissen, denn um das zu wissen, musst du denjenigen an die Hand nehmen und mit ihm Schritt halten wollen, neben ihm gehen, in dieselbe Richtung schauen, die gleichen unausgesprochenen Gedanken mit herumtragen.

“Das bringt doch nichts.” ist aus einem Märchenbuch abgeschrieben. Ganz sicher, gibt es viele viele Dinge, die wirklich nichts bringen. Zum Beispiel einen Büstenhalter tragen, wenn man keine Brüste hat. Oder im Schuhgeschäft nach einem Paar Sandalen fragen, wenn einem gerade ein Bein amputiert wurde. Oder jahrelang die Erbsen aus dem Möhren-und-Erbsen-Gemüse sammeln, anstatt dass man einfach mal nur Möhren als Beilage mit dazu nimmt und die Erbsen einfach von vorneherein weglässt. Es gibt Dinge, die bringen einfach nichts, aber ganz sicher gehört das, was einen innerlich ruhig macht und das einem niemand wegnehmen kann – Turnen, Malen, Ficken, Schreiben, Pilze sammeln – nicht dazu.

Wenn wir uns im Leben immer gefragt hätten “Bringt das was?”, dann gäbe es zum Beispiel so geile Sachen wie Takeshi´s Castle nicht. Also… your argument is invalid.

Denkt nochmal über die Möhren und die Erbsen nach. Gute Nacht ;-)

Unzusammenhängendes | Oder eine Alternative zu “Muss ja.”

Donnerstag, Januar 14th, 2010

Wie geht´s dir? …

Das Leben ist eine große Spielwiese. Jeden Morgen stehe ich auf, im Winter friere ich, im Sommer schwitze ich, und denke: Scheiße, das ist ein verdammtes Missverständnis.

Die Laune kocht ständig über vor Erregung. Die Fülle an Möglichkeiten erschlägt mich regelmäßig, das ist wunderbar. Ich befinde mich mental mitten drin im Kursangebot der Volkshochschule, irgendwo im Heft auf Seite 52, zwischen angstfreiem töpfern, unangebrachte fröhlichkeit für fortgeschrittene und ficken: die Grundlagen und weiß ich werde nichts davon wählen, weil ich mich einfach nicht entscheiden kann und der Preis zu hoch ist. Die Auswahl ist nett, aber nicht nötig. Wie in der Politik, nur da auch ohne das ´nett´.

Oft ärgere ich mich darüber, dass die Teilchen beim Bäcker, die noch vom Vortag sind, nicht speziell gekennzeichnet sind. Und dann vermehren sich die Krümmel im Mund, man spuckt Mehl und ein bisschen Galle und denkt sich, dass es eine Unverschämtheit ist 1 Euro 20 für dieses Elend auszugeben. Der Mohn tröstet nicht darüber hinweg, er macht einen schon lange nicht mehr high. Niemand wird mir je die Frage beantworten können, ob da die Teilchen-Mafia dahinter steckt.

Fantastische Aussichten. Jeden Tag dreht einer durch, der Eintritt dafür ist frei, die Folgen sind unbezahlbar und manchmal nicht wieder gutzumachen, was glücklicherweise schnell wieder vergessen wird. Noch nie waren Streufahrzeuge und Räumdienste so oft im Einsatz wie in diesen Tagen.

Wenn die Sonne mal nicht scheint, schalten wir das Rotlicht an. In der Wasserbahn wird man immer nur an kühlen Tagen pitschnass, die Kotze, die in der Achterbahn zunächst in einem120 h/km-Strahl den Magen verließ, kommt einem manchmal weiter unten wieder in die Quere. Man muss lernen, damit umzugehen. Und Prioritäten setzen. Erstickst du an deinem Erbrochenen oder lässt du dich auf eine Konfrontation ein?

Die Fertiggerichte, die oft auf zwei oder vier ausgerichtet sind, bringen den ein oder anderen, der nicht ohne den ein oder anderen kann, zwischen den Regalen um. Mit dem Einkaufswagen ist zwischen all den Leichen oft kein Durchkommen mehr, daher auch später die langen Schlangen an der Kasse, weil sich plötzlich alles staut.

Die Umstände schlagen sich manchmal auf die andere Seite. Von acht Stunden grenzenlosem, lebensgefährlichem Alkoholkonsum hat man neuerdings eine ganze Woche lang was, von ungewollten Schwangerschaften ein ganzes Leben. Lady Gaga begegnet einem täglich etwa siebenhundertmal in den Medien. Schön ist anders.

Karl-Theodor zu Guttenberg ist theoretisch sympathisch, aber praktisch in der falschen Partei – ja, auch das stimmt einen doch hin und wieder mal traurig – und immer wird man dazu gezwungen sich endgültig zu entscheiden zwischen Tocotronic und Deichkind und einer dementsprechenden Lebensweise, obwohl jeder weiß, dass beides näher beieinander liegt als ein paar siamesische Zwillinge kurz bevor sie getrennt werden und einer von beiden stirbt.

Die Frage “Muss immer eins von beidem sterben?” steht im Raum, oft, eigentlich viel zu oft, dem Klugen verdirbt sie manchmal die Laune, für den Dummen ist sie ohnehin nicht relevant.

Also. Läuft.

[Der Song zum Beitrag: Julian Casablancas - 11th dimension. Ja, daran musste ich währenddessen denken. Überhaupt habe ich glaube ich in Zukunft relativ oft dieses Lied im Ohr. Es drängt einen so schübeweise von Absatz zu Absatz]

Wenn ich kurz noch etwas einwerfen dürfte

Freitag, Januar 8th, 2010

Bevor jetzt für die nächsten zwei bis drei Tage das Stromnetz ausfällt und wir alle verhungern und erfrieren, möchte ich diese letzte Gelegenheit nutzen, noch etwas zu sagen. Wer weiß wie jung wir wieder zusammen kommen, nicht wahr? Wo ist mein Balkon? Ah… ja.. nun…

Das Ende von Leggins mit Reptilien-Muster. Das 4. Studioalbum von den Strokes. Eiskratzer im richtigen Augenblick zur Hand haben. Geduld. Ruhe. Früchtetee. Schokokuchen, dafür weniger wuchtige, Todessehnsucht hervorrufende Buttercremetorten.  Mehr knappe Hot-Pants anstelle von String-Tangas. Vergnügte Kinder auf der Straße. Weniger Schlägertypen. Weniger Schlägertypenkinder. Ein bisschen mehr Bildung, so von innen heraus. Schwäche, viel mehr Schwäche, infolgedessen auch mehr Stärke. Vergebung, vor allem sich selbst. Deutlich weniger terakottafarbene Wohnzimmersitzgruppen in deutschen Haushalten. Beschnittene Pimmel. Bürokratieabbau. Legalisierter Marihuana-Anbau, wenn es denn hilft, wenigstens in Farmville. Mehr na-dann-mal-los. Weniger du-nee-später.  Freudentränen. Harte Nippel. Einkerbungen und Erhebungen an den richtigen Stellen. Einigermaßen gut leserliche Schriften. Friedliche Revolutionen. Pärchenabende mit Robert Pattinson, Kristen Stewart, Bobby Long und mir. Weniger Hüftgold. Das Recht für Kinder, das Tragen einer festen Zahnspange zu verweigern. Die Rückkehr von Prickel-Pit und Yes-Torten. Nie wieder in anderen Wohnungen herumlaufen und einen verdammten Putzeimer suchen müssen, in den man eigentlich schon  vor vier Minuten hätte reinkotzen wollen. Mehr rämälämdingdong. Weniger hoppalla. Stupide Public-Viewing-Fußballveranstaltungen. Oh und Finnland, eine Sauna, Buntstifte, eine erneute Ederseegrillboottour, London, Rosenmontagskatastrophen. Das wünsche ich mir.

Ich hoffe, ihr habt alle genug Ravioli und Fertig-Currywurst zu Hause gelagert, Taschenlampen, Kerzen, Roland-Emmerich-Filme und etwas Mescalin gegen die aufkommende Traurigkeit und Winterdepression bereit gelegt. Ihr wisst genau, dass das ein ganz ganz schlimmes Szenario wird.

Denn: Laut Funk und Fernsehen schneit es dieses Wochenende in Deutschland zum ersten Mal seit fünfzig Jahren wieder. Wenn sie also von einem halben Meter Neuschnee erzählen, dann wisst ihr es ist jetzt Zeit durch den Schornstein ins Haus zu gelangen, weil unten und drumherum schon alles zu ist.

Nein, jetzt mal Scherz beiseite. Wird schweinekalt werden. Aber deswegen müssen die Nachrichten nicht Teile ihrer Sendezeit damit verschwenden, mir zu sagen, dass ich am besten im Haus bleiben soll oder, wenn es denn sein muss, mir Wärmepflaster irgendwohin kleben und einen Spürhund anschaffen soll, der bellt, wenn jemand stirbt, und mich heile nach Hause bringt. Auf jeden Fall aber warm genug anziehen. Gut dass mir das mal einer sagt, die Nieren haben sich schon beschwert, ich hätte wissen müssen, dass Caprihosen gerade ungeeignet sind. Gut, dass es Fernsehexperten gibt.

Nachts ist es kälter als draußen und durch den Wald ist es kürzer als zu Fuß. Und wer im Hirn angekommen ist, schickt mir ne Ansichtskarte. Würde ich umgekehrt genauso machen. Adé.

Wann? – Ein Gastbeitrag. Nein, nicht hier. Woanders.

Donnerstag, Dezember 31st, 2009

Freunde der Leidenschaft, zum Jahresende gibt es von mir noch einen kleinen Hinweis. Ich durfte an der sdbr-Gastautorenrunde teilnehmen, bei der im übrigen nicht jeder mitmachen darf. Nur attraktive, mitunter brillante Persönlichkeiten. Irgendwie muss die Wahl ja dann auch mal auf mich fallen. Räusper.

Das Thema: Wann.

Ich hatte da ein bisschen was zu zu sagen, denn es ist meine meist gestellte Frage seit neunzehnfünfundachtzig. Wenn ihr gut drauf seid, geht ihr jetzt da rüber und lest, was ich geschrieben habe.

Das Bild ist übrigens aus 2007, die Haarfarbe und Haarlänge kommt aber so ungefähr hin, die 20 Kilo, die ich seitdem zugenommen habe, sieht man ja zum Glück nicht. Und die Beschreibung “Auf ihrem Blog finden sich sexuelle Zitate, Fundstücke und Wahnsinns-Texte.” finde ich fantastisch.

Ich möchte bitte in Zukunft öfter eingeladen werden, Texte zu irgendeinem Thema zu schreiben. Das können auch völlig bescheuerte Themen sein wie “Sofa” oder “Brotaufstrich”. “Brotaufstrich” kann, wenn man es richtig angeht, ein sehr sehr gutes, intensives, emotional aufwühlendes, aber auch sehr intelligentes Thema sein.

Sollte ich sowas vielleicht auch mal machen? Gute Leute einladen, für meinen Blog was zu schreiben? Einmal im Monat oder so. Das wäre was. Ich werde´s mir überlege. Und jetzt nochmal ein frohes neues Jahr 2010!

Endzeitgedanken

Donnerstag, Dezember 31st, 2009

1. Ich bin mir nicht sicher, ob ich das Jahr 2009 als gut bezeichnen soll. Es gab viele schöne Momente. Irgendwie war das ein toller Frühling und ein toller Sommer, aber am Ende war das auch mit Trennungen verbunden, die zwar rückblickend betrachtet eher sanft ausfielen, aber trotzdem eine gewisse Leere hinterlassen. Gegen Ende des Jahres war ich oft allein mit mir selbst, verbunden mit Gedanken, die schwer einzuordnen sind. Wenn sich Euphorie und Traurigkeit die Hand reichen, kommt etwas sehr Seltsames dabei raus. Und ich habe sehr oft sehr schlecht geschlafen in diesem Jahr.

2. Dieser Dezember ist der erste Dezember seit einigen Jahren, bei dem ich mir nicht denke “Ach du scheiße” Mein Leben misst sich immer sehr an diesem letzten Monat im Jahr, in dem aus irgendeinem Grund immer etwas passiert, was mich an der Menschheit zweifeln lässt. Vor drei Jahren bekam ich an Silvester eine Sammel-SMS. Daran dachte ich vor ein paar Tagen. Dass ich vor drei Tagen eine SMS bekam von einer Person, die mir eigentlich etwas persönlicheres schreiben können, anstandshalber, und nicht dieselbe sms, die die anderen Schlampen oder alte längst vergessene Schulfreunde auch erhalten. Ich habe festgestellt, dass ich mich allerdings ebenso gut wie die Leute, die ich deswegen immer verfluche, ablenken kann von schlechten oder ärgerlichen oder traurigen Dingen. Und vielleicht ist mir das auch in diesem Jahr aufgefallen. Ich hab mich oft gefragt, ob ich Arschlochpotenzial habe und ich bekam nie eine Antwort, weil ich damit beschäftigt war traurig oder durcheinander oder vielleicht einfach nur besoffen zu sein. Ich war in diesem Jahr nicht wirklich traurig. Und mir ist aufgefallen dass Situationen oder Gespräche oder Gedanken, die mich eigentlich hätten wütend oder traurig werden lassen, mich plötzlich nicht mehr interessiert haben. Ich hab das Interesse an meiner Vergangenheit verloren, was das größte Geschenk ist, das man sich ab und zu machen kann. Ich erinnere mich. Natürlich erinnere ich mich. Aber die Erinnerung hinterlässt keine Spuren mehr. Ich habe jeden Raum betreten mit der Erinnerung, dass jemand mir mal gesagt hat, ich wäre oft so unsicher und unscheinbar. Es ist immer noch so, vermutlich. Nur denke ich nicht mehr daran. Es ist mir verfickt egal ob irgendwelche Menschen, die im Ganzen betrachtet größere Pussys sind als ich es jemals sein werde, irgendetwas von mir denken. Ich hab festgestellt, dass ich gewisses Mitleid habe mit Leuten, die von sieben Tagen in der Woche nur zwei sie selbst sein können oder ihr Leben genießen können und dass es nicht wichtig ist ob man Menschen besonders ansieht ob sie gerade etwas genießen oder nicht. Das beste was einem passieren kann ist dass man jeden Tag grundsätzlich derselbe Mensch sein darf.

3. Für das nächste Jahr habe ich mir entweder sehr viel oder überhaupt nichts vorgenommen. Schön wäre, zum Beispiel einem Mann zu begegnen, der noch nie im Leben gesagt hat “Ich möchte eine Frau, die selbstbewusst und unabhängig ist und weiß was sie will” und der auch noch nie im Leben den Wunsch geäußert hat, alles für eine Frau zu tun, sie zu beschützen, für sie da zu sein, mit ihr zu träumen und stundenlange Gespräche zu führen und alles erdenkliche tun, um ihr die Last des Alltags von den Schultern zu nehmen.

Manchmal frage ich mich, ob Männer denken, wir wären auf Alcatraz und hätten alle die Pest und bräuchten den letzten Segen. Während die andere Kategorie der Meinung ist, wir sind beim Football und laufen alle mit heraus hängenden Geschlechtsteilen und unserem 1a Studienabschluss in der Hand laut brüllend und gestriegelt über den Rasen. Ihr macht mir Angst. Geht weg. Alle, die weder in die eine noch in die andere Kategorie passen, haben sich entweder versteckt oder sind vergeben oder man ist mit ihnen befreundet und das Interesse ist schonmal nicht sexueller Natur. Ich werde euch begegnen und dann nicht zimperlich sein. Man könnte den Eindruck bekommen, ich wäre es. Ich heule in den ungünstigsten Momenten. Das schiebe ich auf meine emotionale Intelligenz. Und den Schnaps. Aber: Unterm Strich bin ich nicht zimperlich. Vielleicht schaffe ich es noch meinen Hüftspeck wegzutrainieren, das wäre dann eine gute Kombination.

4. Ich habe mich in diesem zu Ende gehenden Jahr oft nutzlos und irgendwie dämlich gefühlt. Eigentlich wollte ich in diesem Jahr umziehen oder ein neues Auto fahren und ein Buch schreiben. Das mag sich erstmal blöde anhören, aber so schwer ist das nicht. Das mit dem neuen Auto hat ja schonmal funktioniert. Die Sache mit dem  Buch hat mich oft nachdenklich gemacht. Ich habe angefangen, einige kurze Szenen geschrieben, ein paar belanglose Notizen gemacht. Mir ist noch nie so sehr wie in diesem Jahr bewusst geworden, was für eine Verschwendung mein Leben wäre, wenn ich es so weiterleben würde wie bisher. Das mindeste, was ich tun kann, ist ein Buch schreiben. Vor einigen Jahren hab ich mal gesagt, dass ich bis zu meinem 30. Lebensjahr eine kleine Kolumne schreiben und ein Buch veröffentlichen möchte. Verglichen mit den Träumen anderer ist das nicht wirklich utopisch. Es gibt hier Leute, die wollen in ein paar Jahren einen Job bekommen, der etwas mit ihrem Studium zu tun hat. Das nenne ich mutig.

5. Gestern habe ich im Beisein meiner Freunde Malzbier getrunken, damit meine Brüste wachsen. Vielleicht ist das auch noch ein Vorsatz für 2010. Die Dinger müssen einfach ein bisschen größer und praller werden. Ich möchte auch mal mitreden können. Versteht ihr? Auch mal Mensch sein. Nicht immer nur auf irgendwas anderes reduziert werden. Es wäre schön, mal auf ein paar Titten reduziert zu werden. Hell fucking yeah.

Über dieses völlig unfertige Buch wollte ich eigentlich sprechen. Ich habe darüber nachgedacht. Jede Woche zwei oder drei Nächte. Zermürbend war das. Es hat sich dann etwas bestätigt, was ich eigentlich längst hätte wissen müssen. Ich werde nicht vorbereitet sein. Dinge, die ich vorher schon weiß und über die ich mir Gedanken mache, bringe ich nicht zu Ende. Man kann nicht einfach so darüber nachdenken, wie man eine Geschichte schreiben, wo sie spielen, was ihre Grundaussage sein soll. Ich hatte ungefähr sieben oder acht unterschiedliche Ideen, am nächsten Morgen hatte ich viele davon wieder vergessen. Ich wollte nichts typisch deutsches machen, ich wollte irgendwie frei sein in der Wahl der Namen und was den Ort und irgendwelche Hintergründe betrifft. Keine Geschichte die in irgendeiner Stadt in Deutschland im Jahr 2008 spielt oder so. Wie ätzend ist das denn bitte? Wir haben es doch schon schwer genug. Ich wollte eine Idee finden, die es mir ermöglicht, auszuraßten und zu spinnen und alles was mich inspiriert, vielleicht mit einzubeziehen. Situationen in Treppenhäusern, in Krankenhäusern, in Linienbussen. Ein bisschen Sin City ein bisschen was vom kleinen Prinz, einfach alles was in meinem Kopf ist. Situationskomik, Euphorie und Melancholie ficken sich und reichen sich die Hand in einem einzigen Satz, einem Halbsatz, einem Wort. Legendäre Dialoge. Ganz wichtig. Wer will nicht der Urheber von ein paar legendären Dialogen sein? Schreibe ich aus Sicht einer Person? Und dann sollte sie weiblich sein, das ist bestimmt einfacher, weil ich doch selbst zu 95% weiblich bin. Oder nicht?

Vorgestern bin ich mit einem Gedanken im Kopf eingeschlafen. Und gestern morgen habe ich es nicht vergessen. Und heute Nacht bin ich mit dem selben Gedanken wieder eingeschlafen.

Irgenwie war es klar, dass mir diese kleine, fast unbedeutende Idee nicht früher kam. Ich war damit beschäftigt mir ein weiteres Loch in den Arsch zu freuen darüber, dass ich die meisten von euch da draußen liebe, akzeptiere, prima finde. Hurra.* Man ist so sehr mit “Klarkommen” beschäftigt, dass die Ziele, die man eigentlich verfolgen wollte, in den Hintergrund gedrängt werden.

Ich freue mich also nicht nur auf das neue Jahr wegen all der vernünftigen Männer, die mir sicherlich plötzlich begegnen. (Tragt bitte im nächsten Jahr tagtäglich karierte Hemden und rasiert euch nur wenn es nötig ist. Seid männlich, seid wild, fällt ein paar Bäume, seid 1,80 groß, habt einen Bauchansatz und eine Schwäche für blöde Filme, gute Musik und mich. Meine Fresse, es wird ja wohl nicht zuviel verlangt sein. Malt euch nicht die Augenbrauen nach. Euer Job ist mir egal. Ihr müsst meine Freunde lieben und da sitzen und mit mir Malzbier trinken können. Das ist immens wichtig. War das jetzt eine Kontaktanzeige? Ähm…) Ich freue mich, weil ich im April vielleicht mal wieder nach Berlin fahre. Hoffentlich klappt das, denn ich freue mich auch auf eine berufliche Herausforderung, die mir in Zukunft viel Zeit rauben wird und das wird vor allem am Anfang sehr stressig.

Ich freue mich auf das Bobby-Long-Konzert im Januar. Bobby Long ist einer der besten Freunde von Robert Pattinson und ich würde gerne an dem Abend mit ihm herummachen. Es wird vor allem daran scheitern, dass ich es ihm nicht klarmachen kann, weil ich der englischen Sprache sicher vor lauter Aufregung nicht mehr mächtig sein werde. Ich weiß sogar schon was ich anziehen werde. Meine Fresse, ich werde very british aussehen. Wo war ich? Achso, die Vorfreude auf das neue Jahr. Es wird gut.

Ich werde ein Buch schreiben. Es wird schon deshalb geil, weil ich im Hintergrund viel inspirierende Musik laufen lassen kann, die mich an wieder neue Orte entführt und mich in die richtige Stimmung kommen lässt. Kylie Minogue. Die Rolling Stones. Jennifer Lopez. Techno-Musik. Und natürlich The XX.

Für 2010 wünsche ich mir außerdem eine Knutscherei mit ein paar Frauen (Ich habe Frauen in 2009 besser, geiler, hübscher, cooler gefunden als Männer. Das ist nicht nur so daher gesagt) und dass es endlich mal einen Blog in Deutschland gibt, der sich abgesehen von meinem und ein paar anderen guten Ausnahmen öffentlich gegen gehypte Scheißmusik ausspricht. The XX. Oh Mann.  Tschüss. Und kommt gut ins neue Jahr.

*Was nicht heißt, dass ich mir nicht manchmal, wenn ich euch so sehe, mit meinem unheimlich schlecht gelaunten Pokerface denke [KIZ-Modus ON] “Ich fick euch alle. Ihr könnt mich auch alle ficken. Is mir scheißegal.” [KIZ-Modus OFF]

Hipster Runoff

Freitag, Dezember 11th, 2009

“It’s a blog worth blogging about! HRO is intended to be a ‘culturally relevant’ blog. Carles  can basically blog about anything.”

Dank Amy & Pink stieß ich soeben auf einen Blog, den vermutlich schon wieder jeder außer mir kennt. Das macht mich aber auch wieder sympathisch denke ich. Die Rede ist von Hipster Runoff und wahrscheinlich gibt es den Blog nächste Woche gar nicht mehr und ich konnte es mal wieder gar nicht richtig genießen. Jedenfalls sollte ich mir den obigen total aussagekräftigen Text klauen und ihn als Erklärung mal hier drauf packen. Sowas Ähnliches vielleicht.

Der Text “The evolution of the hipster” ist übrigens auch nicht schlecht.

Und noch was. Ich werde mein Abonnement beim musikexpress jetzt kündigen. (Das hätte mir ruhig vorher mal jemand sagen können). Die sind der Meinung dass The xx das beste Album des Jahres abgeliefert haben.
Irgendwie kann man es ja auch übertreiben, Herrschaften. Es muss doch mal jemanden geben, der den Mut besitzt zu sagen, dass das eine total überflüssige Band ist. Wie überhaupt vieles mittlerweile überflüssig ist. Die ganzen Blogs. Und twitter. Und youtube auf jeden Fall auch.

Kommentare, in denen Leute sich fragen, warum ich denn überhaupt den musikexpress abonniert habe, werden natürlich sofort gelöscht. Das hier ist immerhin ein diktatorischer Blog.

P.S. Die neon hab ich aber nicht abonniert. Ich wollte das mal, es war mal meine Lieblingszeitschrift. Das war 2005 – 2007. Dann hab ich bemerkt, dass ich den ganzen Stuss, der da drin steht, im Prinzip auch selbst schreiben oder mir in einem Selbstgespräch selbst aufsagen kann. Nagut, abgesehen von dem Artikel über einen Mann, dessen Tierliebe so weit ging, dass er von einem Pferdepenis irgendwelche Probleme mit seinem Darm bekam und daraufhin verstarb. Ich wüsste nicht, wie ich sowas hätte schreiben können oder wen ich hätte fragen können. Oder was mich dazu veranlassen könnte, das Gefühl zu haben, ich müsste es demnächst mal tun. Pfui.

Ich verabschiede mich mit einem knappen Hinweis auf die StudiVZ-Gruppe “Tut mir leid, freitags kann ich nicht, da hab ich Voltigieren.”

Kino-Toleranzgrenze. Kaum vorhanden. Ist halt so.

Donnerstag, Dezember 10th, 2009

Ich würde gerne behaupten, dass ich es war, von der diese Graphik stammt. Ich stecke nämlich gerade mächtig tief drin in einer Forschungsarbeit mit dem Arbeitstitel “What the fuck, warum sitzen immer die größten Vollidioten und Ausgestoßenen der Gesellschaft unmittelbar in meiner Nähe?!!!”

Wisst ihr, was mich an den Rand des Wahnsinns treibt? Das Getuschel. Obwohl der Film noch gar nicht angefangen hat, es ist also rein theoretisch überhaupt nicht schlimm, dass ALLE tuscheln und quatschen. Fuck, es nervt mich trotzdem. Diese quälenden ineinander übergehenden Stimmen von zweihundert Arschlöchern. Du hast das Gefühl, dass sämtliche Problematiken, die gerade angesprochen werden, sich alle auf einmal in dein Ohr in Richtung Hirn drücken. Zeigt mir mal ein Hirn, dass da nicht ein bisschen übergeschnappt reagiert. Ich frage mich manchmal, ob Außenstehende dann eigentlich meine leichten Zuckungen sehen oder meine inneren Kämpfe bemerken, die ich dann gerade mit mir selbst austrage.

Wenn ich im Kino sitze, wird mir immer bewusst, dass ich die Menschheit nicht toleriere und mich in eine Höhle zurück ziehen sollte, wo niemand Essen kaut und nur nett anzusehende Schmetterlinge um mich herum flattern. Schmatzen Schmetterlinge? Ich hoffe nicht, denn sonst könnte ich nicht mal sie ertragen.

Das Schlimme ist, dass ich dann immer das Gefühl habe,  mit einem Mal die Belanglosigkeit und Dämlichkeit wirklich aller Gespräche wahrzunehmen und mich oft frage, ob die betreffenden Personen selbst eigentlich merken, dass sie sich jetzt gerade in einer Gefahrenzone befinden.

“Meine Nagel-Tante hat mir gestern gesagt, dass Sie auch in dem Film war. Sie sagt er wäre voll schön. Dass ihr auch der Christian Bale total gut gefällt dadrin. Das ist aber auch ein echt hübscher Mann, der Christian Bale. Findest du nicht auch, dass es ein voll schöner Mann ist? glaubst du, dass er und Catherine am Ende zusammen bleiben?”

Und ihre Freundin sagt ihr dann, ob sie auch denkt, dass Christian Bale ein total schöner Mann ist und ob sie annimmt, dass er und Catherine, die weibliche Hauptdarstellerin, am Ende zusammen bleiben.

Ich, drei Reihen weiter vorne, habe derweil einen epileptischen Anfall. Man sieht es mir nicht unbedingt auf den ersten Blick an. Vielleicht gucke ich etwas angeekelt oder verstört. Ich gucke oft verstört, als würde die Menschheit mir Angst einjagen. Oft betone ich dass es nicht so ist, denke mir aber gleichzeitig, dass es ziemlich übel wäre, wenn mein Umfeld wüsste, was mir so alles “Angst einjagt”. Wobei es wie gesagt nicht immer Angst ist, sondern halt eher der Wunsch, eine Handgranate zu nehmen und sie den betreffenden Personen entweder in den Mund oder irgendwoanders hin zu schieben.

Schön sind auch diejenigen, die während des Films Handlungen kommentieren. Jemand zieht sich gerade aus, die Muskeln spielen. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass in dem scheiß Kino irgendeine scheiß Person sitzt, die dann folgenden scheiß sagt: “Guck mal! Die Muskeln! Voll geil einfach nur.” Oder es explodiert irgendwowas. Und die können sich nur mit Mühe und Not retten. Irgendwer wird dann garantiert die Bemerkung machen: “Mensch, ich hätte ja nicht gedacht, dass die das jetzt noch schaffen.”

In diesem Moment, möchte ich ein Kantholz nehmen, es auf die Person draufschlagen, dass die Augen blau anlaufen und Blut aus der Nase tropft. Und ich möchte sagen: “Mensch. Blau! Rot! Grün! Schönes Farbenspiel!” Aber ich bin nicht gewalttätig. Und Gewalt ist auch keine Lösung. Wobei so eine ordentliche Ohrfeige ja manchmal auch Eindruck machen kann.

Kinos finde ich furchteinflößend. Ich geh gerne hin. Wegen dem Film und der Vorschau, die ist meist besser als der anschließende Film. Aber die Leute. Diese anderen Menschen mit ihrem Mitteilungsbedürfnis. So stelle ich mir die Hölle vor – ein Kino voller mitteilungsbedürftiger Menschen.

Warum bloggen diese Menschen nicht? Es wäre so einfach. Es ist das ultimative Auffangbecken für innere Belanglosigkeiten, Ängste und Wutanfälle. Wenn du Glück hast liest das irgendwer, am schönsten ist, wenn jemand dir in den Kommentaren sagt, dass es ihm auch so geht. Dann hast du als Blogger/Erzähler das Gefühl, dass du nicht ganz so ein ausgestoßener, komischer Vollidiot bist. Das ist schön.

Ich finde es schön, dass Menschen mein Gerede einfach wegklicken können, erspare mir viele böse persönliche Blicke. Bis die mich das nächste Mal sehen, haben sie entweder vergessen, was ich neulich erzählt hab. Oder sie mögen mich eh nicht, wodrauf ich entweder irrsinnig stolz bin oder was ich gar nicht unbedingt wahrnehme oder weiß.

Ich werde mir vorsichtshalber für die nächsten Wochen ein paar selbstklebende “Kreuzchen” in meine Handtasche packen  und sie betreffenden Personen mit einem “High five in your face” relativ lieblos mitten ins Gesicht klatschen. Und am Ende werde ich dann noch sagen, dass ich ja auch denke, dass Christian Bale ein wirklich schöner Mann ist.

Klassen. Oder “Es gibt zwei Arten von Menschen”

Samstag, Dezember 5th, 2009

Ich würde es als eines meiner größten Hobbys bezeichnen, Menschen in irrsinnige Kategorien einzuteilen. Das habe ich in den letzten Jahren sicher auch hier auf dem Blog ausreichend getan. Meine Erkenntnisse werde ich demnächst in einem Buch veröffentlichen. Schweigeminute. Fuck, vielleicht reicht auch ein einziger Blogeintrag.

Es gibt zwei Arten von Menschen:

1. Menschen, die ihren Schlafsack zusammenrollen und mehr oder weniger sorgfältig in die zugehörige Tasche stopfen. Und Menschen, die ihren Schlafsack entgegen aller Logik zusammen stopfen und lieblos in die zugehörige Tasche stopfen.

2. Menschen, die nach Rezept kochen. Und Menschen, die nach Lust und Laune kochen. Wenn die Soße zu scharf ist, wird Schlagsahne dazu gekippt. Es schmeckt immer. Ich sagte: immer.

3. Menschen, die bei dem Lied übermenschlich gute Laune kriegen.
Menschen die bei dem Lied übermenschlich gute Lauen kriegen.

4. Menschen, die manchmal deinen Blog lesen und sich darüber freuen, dass es sowas und viele andere Blogs und diverse “unsinnige” Seiten im Netz überhaupt gibt. Und Menschen, die dich nachts überfallartig am Thresen ansprechen und fragen warum du bloggst. Sie haben eine Liste zu Hause in ihrem Garderobenschränkchen, auf der steht, wann du sie angeblich beleidigt hast.

5. Menschen, die nach dem Kotzen nicht mehr weitersaufen können und sofort nach Hause fahren müssen. Und Menschen, die nach dem Kotzen weitersaufen können. Zum Beispiel Wasser

6. Menschen, denen es peinlich wäre auf dem Aldi-Parkplatz mit ernster Miene den Ententanz zu tanzen. Und Menschen, die auf dem Aldi-Parkplatz mit ernster Miene den Ententanz oder etwas Vergleichbares tanzen.

7. Menschen die – wie gesagt – finden, dass “Kids” das beste Lied von MGMT ist. Und Menschen die finden, dass “Electric feel” das beste Lied von MGMT ist.

8. Menschen, die sich in der Wall of Death pudelwohl fühlen.
Und Menschen, die erstmal denken: “Scheiße, ich sollte nicht hier sein.”

9. Menschen, die beim Essen total pingelig sind.
Und Menschen, die bis auf wenige Ausnahmen alles essen.

10. Menschen, die zusammen zucken und sich für sich selbst und ihr Land schämen, wenn sie das Wort “Nazi” hören. Und Menschen, die den Ausdruck “Nazi” fest in ihrem Beleidigungskatalog integriert haben.

11. Menschen, die Sex auf der Tanzfläche zelebrieren. Immer. Egal was kommt. Sie sind verdammt nochmal immer sexy. Und Menschen, die das nicht besonders oft tun, sondern diese lieber nachmachen. Mit einem absolut dümmlichen Ausdruck auf dem Gesicht.

12. Menschen, die umständlich die Haare vors Gesicht schütteln oder die Deckenbeleichtung anstarren, wenn sie einen nicht erkennen oder grüßen wollen. Und Menschen, die einen dann einfach nicht grüßen.

13. Menschen, die tanken wenn die Nadel bei einem Viertel der Tankfüllung angekommen ist. Und Menschen, die tanken, wenn es “Pallinggg” macht.

14. Menschen, die mit klassischen One Night Stands unkompliziert umgehen. (Klassischer One Night Stand: “Wer bist du? Warst du schon öfter hier? Lass uns Sex haben, wenn wir ausgetrunken haben.”)  Und Menschen, die nie klassische One Night Stands haben, weil dieser Bereich in ihrem Hirn gar nicht existiert.

15. Menschen, die nicht auf Dixie-Klos gehen können. Egal wie dringend sie pinkeln müssen. Und Menschen, die die Möglichkeit in Betracht ziehen, auf ein Dixie Klo gehen zu müssen und das dann auch tun.

16. Menschen, die auf dem Heimweg rasen wie die Wahnsinnigen, weil sie ihrem Drang, möglichst schnell irgendwo ankommen zu müssen, nachgehen müssen. Und Menschen, die sich dann denken “Ich hab Zeit, ich fahr jetzt total relaxt hinter diesem Veiculo Longo her, höre dabei ein schwules Erasure-Lied und denke mir “Fickt euch, ihr Deutschen!”

17. Menschen, die denken, dass es sinnloser Spritverbrauch ist, sonntagnachmittags einfach mal ziellos durch den Landkreis zu fahren. Und Menschen, die das zeitweise regelmäßig gemacht haben oder machen und für die es eine Therapiestunde ersetzt, die vergleichsweise teurer wäre.

18. Menschen, die nach dem Abitur den inneren Zwang verspüren jetzt studieren zu müssen, weil sie nach der Regel leben “Wofür hab ich denn dann Abitur gemacht?” Selbst wenn sie eine prima Ausbildungsstelle haben oder genau wissen, dass sie keinen Bock auf BWL oder Informatik haben. Und Menschen, die den Mut aufbringen nach dem Abitur eine Ausbildung zu machen.

19. Menschen, die ab und zu mal erzählen, dass sie nach ihrem Schulabschluss oder wann auch immer mal für ein Jahr nach Amerika, Großbritannien, Norwegen oder Australien gehen. Und Menschen, die mit so einem Bullshit gar nicht erst anfangen und es bei Zeiten einfach tun werden, wenn die Zeit gekommen ist, egal ob sie dann schon 32 sind und eine – huuuuuuch – FALTE im Gesicht haben. Hell fucking yeah.

20. Menschen, die damit beschäftigt sind, ihre Schwächen klein zu halten und vor der Öffentlichkeit zu verbergen oder unter den Teppich zu kehren. Und Menschen, die ihre Schwächen nicht klein halten und sie stattdessen mit der ein oder anderen Stärke ausgleichen.

21. Menschen, die sich was Schuhe betrifft zu irgendeinem Zeitpunkt in ihrem Leben für irgendetwas entscheiden müssen. Und Menschen, die sich was Schuhe betrifft nie entscheiden müssen.

22. Menschen, die ihre Titten betonen, wo sie doch schonmal da und außerdem so prachtvoll sind. Und Menschen, die ab und zu beinahe aus Versehen ihre Titten betonen, weil sie ihnen keine große Aufmerksamkeit schenken. (Dieser Punkt betrifft nicht Männer. Hoffentlich.)

23. Menschen, die Vorurteile haben und diese aus Trotz, Stolz oder was auch immer nie loswerden. Menschen, die genauso gerne Vorurteile haben, aber diese loswerden können.

24. Menschen, die Prinzipien haben. Lange, manchmal für immer. Und Menschen, die sehr wenige wirkliche Prinzipien haben und irgendwann jeden Tag und jeden Menschen so sehen, als hätte es die vorherigen Tage und die vorherigen Situationen und Begegnungen nie gegeben.

25. Menschen, die aufstehen, wenn sie wach sind. Und Menschen, die problemlos noch ein oder zwei Stunden liegen bleiben können und dann meist sexuellen oder romantischen oder brutalen oder quälenden Gedankekn nachgehen.

26. Menschen, die eine innere Leere verspüren, wenn sie am Wochenende nicht anständig gefeiert haben. Und Menschen, die stattdessen hin und wieder auch mal gerne ins Kino gehen, mit einem Buch im Bett liegen oder mit Freunden auf einem verdammten Sofa sitzen bleiben.

27. Menschen, für die Weinen eine Schwäche oder ein unangenehmer Umstand ist. Und Menschen, die weinen wenn ihnen danach ist.

28. Menschen, die nie sprachlos sind. Und Menschen, die manchmal sprachlos sind.

29. Menschen, die nie begreifen, dass sie nicht Megan Fox und auch nicht Robert Pattinson sind. Und Menschen, die zu einem relativ frühen Zeitpunkt in ihrem Leben begreifen, dass sie nicht Megan Fox und auch nicht Robert Pattinson sind.

30. Menschen, die Karneval mögen. Und Menschen, die Karneval mögen, wenn sie kurz vor einer lebensgefährlichen Alkoholvergiftung stehen.

31. Menschen, in denen Krankenhäuser ein schlechtes, beklemmendes Gefühl auslösen. Und Menschen, die in Krankenhäusern “eine gute Zeit” haben können.

32. Menschen denen Atzenbrillen aus irgendeinem undefinierbaren Grund stehen. Und Menschen, denen aus irgendeinem undefinierbaren Grund eher Pilotenbrillen stehen.

33. Menschen, die babyblau tragen können. Und Menschen, die babyblau nicht tragen können.

34. Menschen, die an der Arbeit einen Tanga tragen, weil es ihnen irgendwie etwas bedeutet, ein sexy Gefühl zu haben, während sie Daten in die Excel-Tabelle oder das Gesundheitsdatenprogramm eingeben. Und Menschen, die an der Arbeit keinen Tanga tragen. Denn: Es ist unbequem und würde sie ablenken und das können sie irgendwie tatsächlich nicht gebrauchen.

35. Menschen, die grundsätzlich innerhalb der ersten 7 Monate einer Beziehung in den Sexshop rennen und es aufregend finden, eine Wundertüte da zu kaufen. Und Menschen, die das nicht tun. Menschen, die das halt einfach nicht tun.

35b. Menschen die sagen “Oh ja Honey, verteil das Vanilleeis auf meinem Schwanz/in meiner Muschi. Es ist soooo aufregend.” Und Menschen die sagen: “Es ist ok, ja, aber beim nächsten Mal hau ich dir glaub ich lieber eine in die Fresse, wenn du es tust.”

35c. Menschen, deren Lieblingseissorte Vanille ist. Und Menschen, deren Lieblingseissorte Schokolade ist. (Falls es Leute da draußen gibt, die auf verdammtes Schlumpfeis, Pistazie, Jägermeister, Zitrone, Banane oder wasauchimmer stehen – Ich kann euch leider nicht helfen, eure Existenz ist somit untragbar, denn ihr seid durchs Raster gefallen.)

36. Menschen, die in Tunesien in einem Hotel sitzen und sagen: “Das esse ich nicht, davon bekomme ich Magen-Darm-Probleme.” Und Menschen, die gar nicht erst in einem Hotel in Tunesien sitzen würden.

37. Menschen, die bei “Axel F” oder “The Heat is on” angestrengt nachdenken und sagen “Ist das nicht aus Beverly Hills Cop?” Und Menschen, die bei “Axel F” oder “The heat is on” eine Lebenseinstellung tänzerisch darstellen, die sie insgeheim schon nach dem ersten Hören eines der Lieder für sich entdeckt haben.

38. Menschen, die Lieder von Akon streng verweigern. Und Menschen, die Lieder von Akon streng verweigern, aber trotzdem dazu tanzen, wenn sie besoffen sind. Das sind dieselben Menschen, die manchmal auch aus Versehen zu David Guetta tanzen.

39. Menschen, die bei einer Atzenparty im Alpenrausch auf dem Baum stehen und tanzen. Und Menschen, die bei einer Atzenparty im Alpenrausch entweder auf dem Baum stehen und tanzen und schwitzen oder sich an den Kopf packen und einen epileptischen Anfall simulieren, um möglichst schnell und unkompliziert an einen sicheren Ort gebracht zu werden.

40. Menschen, die entweder strikt für oder gegenzerquetsch werden sind. Und Menschen, die das in der 30. KW  unheimlich geil und stimulierend und in der 31. KW schon wieder ekelerregend und furchteinflößend finden können.

Ich hoffe, ich habe euch irgendwie weiter geholfen damit. Ihr wisst nun, wer  ihr seid. Könnt die Bibel, das Gesetzbuch und das Tagebuch eurer Mutter nun weglegen. Whatever. Und sorry schonmal…

Relevanz. Die Amerikaner. Wayne.

Samstag, November 28th, 2009

Ich dachte, ich würde drumrum kommen. Aber nun juckt es doch irgendwie in den Fingern. Und es nervt, obwohl die Diskussion durchaus spannend ist.

Was ist mit den Tritratrullalablogs los im Jahr 2009?

Nun. Fünüh. Das weiß ich auch nicht so genau, aber habt ihr euch schonmal überlegt, dass dieses ganze Gerede von der Proffessionalisierung der Blogs überflüssig ist, solange niemandem das Entscheidende dazu einfällt? Solange es nur um “Die Großen ignorieren die Kleinen” und um “Was können wir tun, damit man uns endlich ernst nimmt?!” geht. Was wir tun können?

Nun, zum ersten könnten wir mal aufhören zehntausende youtube-Blogs am Leben zu halten. Es juckt doch kein Schwanz!!! Wenn ich wissen will, wie man sich schminkt, frage ich ne Freundin oder rufe bei der Kosmetikerin meines Vertrauens an, aber ich gehe doch nicht auf einen verdammten Blog, der auf ein verdammtes Video auf youtube verlinkt, wo Tanja-Anja den Leuten zeigt, wie man sich so oder so am besten schminkt.

Wenn ich über irgenwelche bahnbrechenden Apps informiert werden möchte, gehe ich in den verdammten Apple-Store. Ja zum Teufel nochmal. Ich rufe doch nicht eines dieser gähnend langweiligen Blogs auf, die sich in ihren 25 Beiträgen pro Woche mit diesem Scheiß auseinander setzen. Wenn ich etwas suche, gebe ich es bei google ein. Ist halt leider so.

Wenn ich wissen will wie die Katze den Hund gefickt hat, gehe ich direkt zu youtube und gebe da in das Suchfeld ein “Katze fickt Hund”. Da bin ich schneller am Ziel, als wenn ich auf irgendeinen scheiß Blog gehe und da nach dem “Katze fickt Hund”-Video suche. Vor allem… vielleicht hat der Idiot es ja übersehen und man findet gar nichts auf dem Blog.

Brauche ich Blogs, die mich darüber informieren, was in der Weltgeschichte so vor sich geht?

Ohne Scheiß, mal von Ausnahmen abgesehen, da gehöre ichdoch  immer noch zu der Sorte, die wahrscheinlich eher RTL anschalten und da im Videotext nachschauen, anstatt irgendeinen Blog aufzusuchen, der irgendwelche News von anderen Seiten kopiert und ansonsten nur so vor sich hindümpelt.

Ihr regt mich auf. Das Geheule regt mich auf. Und die Großen ignorieren nicht die Kleinen. Ich weiß wovon ich spreche. Ich bin winzig klein und werde auch nicht ignoriert. Keine Ahnung warum, aber vielleicht schreibe ich ja einmal im Monat ein paar Sätze, die ich mir selbst ausgedacht hab und die man vielleicht ganz gerne liest.

Das ignorieren scheinbar einige da draußen. Sätze, die man gerne liest. Keine Ahnung, warum manche Menschen bloggen, aber ich tue es, weil ich zwei Drittel meines Lebens – und ich bin erst 24 – damit verbracht haben, verliebt zu sein in die deutsche Sprache. Und sowas wird häufig ignoriert, wenn es in diesen dämlichen Diskussionen um Relevanz und den ganzen Scheiß geht. Ich weiß, dass ein Blog nicht dadurch relevant wird, dass der Blogger “die deutsche Sprache so liebt”. Mir ist schon klar, dass wir hier nicht im Mädchen-Pensionat sind, meine sehr verehrten Damen und Herren.

Aber was juckt mich der Inhalt, wenn die Sprache mich so sehr anödet, dass ich mich lieber freiwillig mit meinem Arsch in ein paar Brennesseln niederlassen würde, anstatt den Absatz jetzt noch zu Ende zu lesen?

Nützt nichts. Ich geh lieber auf youtube und erlebe Katzen, Schildkröten und verdammte Eichhörnchen in Aktion statt mir so manche Scheiße da draußen durchzulesen.

Vergleichen die sich doch tatsächlich mit den Amerikanern. Ich werd nicht mehr!!! Die Amerikaner, warum kriegen die das hin? Mimimi. Ja, weiß ich doch auch nicht so genau, aber ich bin mir fast sicher, dass du nie eine Antwort auf deine Frage bekommen wirst, solange du über so eine Scheiße nachdenkst. Und ja… ich weiß, dass man über diese 17 Millionen Äppps nicht unbedingt emotional berichten kann. Ist mir schon klar. Deswegen geh ich ja auch direkt in den Apple-Store. Oder was weiß ich denn… fickdiepolizei.

Die Deutschen sind einfach bescheuert. Die schaffen es noch nicht mal eine einzige witzige Serie zu produzieren. Weil sie sich dauernd fragen “Warum sind wir nicht so gut wie die Amerikaner?” Warum haben die Scrubs und wir nur Dr. Stefan Frank?

Vielleicht geht ihr mal raus vor die Tür und schaut euch an, wodrüber die Leute wirklich lachen und was sie interessiert. Das Schönste, was wir zu bieten haben, ist doch Dittsche, da sind wir uns ja wohl einig. Wie ich diese Deutschen einfach hasse!!!

Warum können wir Autos bauen, aber nicht mal annähernd richtig auf die Kacke hauen?

Relevanz. Tz. Sind wir nicht. Keiner von uns. Wie denn auch? Und twitter? Fick doch twitter in den Arsch, ich lese schon freiwillig größtenteils nur noch die tweets von Leuten ohne Blog, weil die anderen doch nur auf scheiß neue Artikel verlinken. Oder auf Apps. Oder Dinge die ich nicht verstehe, weil sie wieder so schön umschrieben sind, dass ich mir denke: Aaaaaaahhh wann kommt denn bitte die Erlösung?!

Ok. Mir egal. Ich hab mich jetzt abgeregt. Ich sammle und poste weiterhin Unrelevantes. Schuhe. Durchgekaute Musik. Zitate. Links zu anderen unrelevanten Losern. Oder wieviel ich am Wochenende für Alkohol ausgegeben habe und zu was es im Verlaufe dessen dann kam.

Ich verabschiede mich mal mit einem Zitat aus “Du kannst Joko nicht anfassen”.

“Ich fick euch alle. Ihr könnt mich auch alle ficken. Is mir scheißegal.”

(Ich setze aus lauter Faulheit auch keine Links zu den Blogs, auf denen das Thema erläutert wurde. Das ist mit Arbeit verbunden. Und Bloggen soll ja Spaß machen. Nur für die, die das irgendwie im Laufe der letzten Jahre vergessen haben.)