“Weil wie man wirkt wichtiger ist als was man fühlt.”
Mittwoch, August 4th, 2010Ein wahnsinnig guter Text da drüben auf Amy&Pink.
Ein wahnsinnig guter Text da drüben auf Amy&Pink.
In letzter Zeit kommt es mir immer mehr vor wie ein Vorwurf. Ich bin unterwegs – mit Freunden, Bekannten, der Familie – und muss dagegen ankämpfen, sie nicht einfach stehen zu lassen und mich mit einem Schokoriegel in eine Ecke zu setzen und mir den manipulativen Beziehungsscheiß von außen anzusehen. Psycho-Scheiß. Ich wusste mal die Definition dafür, denn man ist manchmal nicht gefeiht davor ein naiver, trauriger Mensch zu sein, der geliebt oder wenigstens beachtet werden will. Aber es wird weniger. Irgendwann. Dann habe ich angefangen mich selbst zu beachten, was die Sache nicht grundlegend bessert, aber immerhin verkürzt das die Phasen, in denen man von anderen beachtet werden will, weil man sonst Angst hat, gar nicht zu existieren.
Der Vorwurf ist: Ich finde nur allein statt. Und das reicht nicht, denn da muss doch irgendwer sein, über den ich auf der Grillparty sagen kann: “Schatz kommt zwanzig Minuten später.” Und, ernsthaft, es gibt Tage, da ist es mein sehnlichster Wunsch, irgendeiner unbeteiligten Person in irgendeiner Situation zu sagen “Hier… Schatz kommt zwanzig Minuten später.” Und dann denkt sich diese Person: Schön, Franzi hat jemanden, endlich hat sie ein Leben!
Man muss sich rechtfertigen. Wenn man niemand ist, der in einer Beziehung ist oder sich von einer Beziehung in die nächste flüchtet oder in gesunden Abständen von eineinhalb Wochen mit irgendwem Sex hat, dann muss man sich rechtfertigen. Weil die Gesellschaft so ziemlich alles toleriert und versteht. Sie toleriert es, für dumm verkauft zu werden. Sie toleriert es, dass ihre Kinder zu stupiden Vollidioten heranwachsen. Sie versteht nur nicht auf Anhieb, dass es Menschen gibt, die alleine sind. Nicht mehr und nicht weniger. Und die diese Tatsache auch nicht einfach wegficken können und wollen. Oder sich bei jeder neuen Bekanntschaft dazu zwingen, sich ein kleines bisschen zu verlieben oder irgendein warmes, sagen wir lauwarmes Gefühl aufzubauen, das ihnen vielleicht hilft auf dem Weg zu einer Beziehung. Es gibt Menschen, die können das. Und es gibt Menschen, die können das nicht. Die verlieben sich nicht einfach so, drei- oder viermal im Jahr. Es gibt Menschen, die verlieben sich noch nicht mal einmal in drei Jahren.
Vorwürfe. Einige davon mache ich mir auch selbst. Zum Beispiel, dass ich nicht liebenswert genug bin. Cupcake-mäßig-liebenswert. Ihr versteht schon. Dass es meine eigene Schuld ist. Dass ich nicht gut genug bin, mich besser anziehen könnte, zum Beispiel mehr Strass, Strasssteine wären gut, die glitzern so schön und eine Flirtschule könnte ich auch mal besuchen. Und diese Haare. Warum habe ich so dünnes Haar? Ich lass es abschneiden im Juni. Kürzere dunkle Haare, damit mich erst recht niemand mehr beachtet.
Es ist ein unausgesprochener Vorwurf. Warum strengst du dich nicht an, spulst das Programm ab und steckst am Ende in einer Beziehung, wie ein Großteil der Menschen da draußen? Wie kannst du es wagen ein 25jähriger, berufstätiger, weiblicher Single zu sein? Jeder hat doch Spaß an Liebe und Zweisamkeit und Pärchenveranstaltungen. Wie zum Beispiel in Einrichtungshäuser gehen. Wenn man mit seinem Vater oder der Schwester in ein Einrichtungshaus geht, dann gucken einen alle komisch an, weil das ja nicht sein kann.
Alle sind vergeben. Glaubt mir. Alle. Außer mir und ein paar Ausnahmen. Wir sind die Gefühlszombies dieser liebeskranken Gesellschaft. Keinen Partner zu haben heißt, dass irgendwas defekt sein muss. Ich glaube auf die Idee zu kommen, dass obwohl der Mensch dafür geschaffen ist zu zweit oder in einer Gruppe zu leben, in vielen Beziehungen mehr defekt ist als bei Menschen, die allein sind, auf diese Idee kommt niemand. Dass es krank ist, wenn Frauen plötzlich ihre Pizza nicht mehr allein bestellen können, weil sie erst Rücksprache mit ihrem Freund halten müssen. Dass es krank ist, wenn Männer extra zwei Stunden länger wegbleiben, weil sie nicht vor allen anderen nach Hause gehen oder vor ihrer Freundin irgendeine Rolle aufrecht erhalten wollen. Dass es genauso krank ist, wenn Leute plötzlich ihre Freunde vernachlässigen auf eine Art und Weise, die man nicht mehr als normal bezeichnen kann. Dass Beziehungen, die eigentlich für Partnerschaftlichkeit und Verantwortung für andere stehen sollten, oft das Gegenteil von dem sind – das ist krank. Jede Nacht neben jemandem einzuschlafen, nur um nicht allein zu sein – das ist krank. Sich einzureden, dass man verliebt ist, aber das Gefühl haben, der ältere Bruder oder Lieblingscousin bumst mich gerade, sich dann zu freuen, dass wenigstens ein anständiger Orgasmus dabei heraus kam und man sich am Ende schön aneinander kuscheln kann… ernsthaft… denkt ihr wirklich, dass bei Menschen, die einfach alleine sind etwas defekt oder falsch oder nicht gut genug ist?
Ich lebe in einer Welt, in der Tütensuppen auf zwei oder vier Mann ausgerichtet sind und in der man mich verkuppeln will, weil man denkt, das wäre hilfreich. Wtf. Sich voneinander trennen und drei Wochen später schon wieder vergeben sein – Wie schlecht geht es solchen Leuten? Wie lächerlich sind solche Leute? Wo zum Teufel in eurem Gehirn ist dieser Riesenkomplex versteckt, dass ihr ihn nicht finden und anderweitig lösen könnt? Warum muss da immer eine Mumu oder ein Pillermann sein, der euch tröstet? Was haben eure älteren Geschwister euch in eurer Kindheit angetan?
Liebe ist das größte auf der Welt. Wieviele von diesen ganzen Arschgeigen, die unter Kontrollzwang leiden, haben das überhaupt begriffen? Liebe hat mit Schwäche zu tun, aber wie viele Vollidioten gibt es da draußen, für die Schwäche ein Tabu ist? Und viele von ihnen leben in Beziehungen. Was sind das für Beziehungen? Habt ihr ein Problem damit, euch das Gericht vom Vortag aufzuwärmen und verdammt nochmal alleine zu essen? Wo liegt der Unterschied darin, mutterseelenallein durch die Wohnung zu laufen und ein anständiges Selbstgespräch zu führen oder auf einen Menschen einzureden, der einem seit einen halben Jahr sowieso nicht mehr zuhört?
Und ich will nicht den Teufel an die Wand malen. Scheiße, nein. Da draußen gibt es viel Liebe, viel echte Liebe, Leute die es meiner Meinung nach verdient haben, geliebt zu werden. Weil sie irre sexy oder warmherzig oder klug oder sanftmütig oder charismatisch sind. Aber Himmelarschundzwirn, guckt euch doch mal um. Wieviele Idioten da draußen rumlaufen. Die auch noch sprechen können. Und sich vermehren. Und die dann mit dem größten Scheiß um die Ecke kommen und urteilen und der Meinung sind eine Partnerschaft sei das Allheilmittel. Nein, ist es nicht. Wer vorher doof war, ist es auch nachher noch.
Du bist irgendwie doof? Deine Freundin, die irgendwie aussieht wie Mama Bär, wird an dem Zustand auch nichts ändern können. Du bist so helle wie zehn Dunkle, siehst aus wie eine furchtbar schlechte Pocahontas-Karikatur und hast einen unglaublich avantgardistischen, aber schlussendlich doch langweiligen Lebensstil? Herzlichen Glückwunsch. Such dir doch irgendeinen alternativen Freund, damit ihr zusammen schrecklich langweilig sein könnt. Aber tut nicht so, als wäre das das gelbe vom Ei, denn das ist es nicht. Dein Vater wählt die CDU und bumst seine Sekretärin, deine Mutter ist eine alkoholkranke Schreckschraube, du kannst keine Schwäche zugeben, deine Beziehung ist ein Scheiß wert, rede anderen nicht ein, dass sie einen ähnlich großen Scheiß jetzt im Moment brauchen, nur weil du ihr Selbstwertgefühl oder ihre Lebensart nicht auf Anhieb einordnen kannst in irgendeine Schublade deines Scheiß vorgefertigten Schranks.
Ehrlich Mann. Leute? Ich möchte nicht verkuppelt werden. Außer mit Klaas von mtv vielleicht.
Witze reißende Frauen gelten als weniger attraktiv. Kabarettist Alfred Dorfer bringt es auf den Punkt: „Schönheit ist nicht Witz.” Das gilt jedoch nicht für Männer: „Witzige Männer, an deren Männlichkeit, an deren Virilität, an deren männlicher Attraktivität zweifelt [niemand]. Männer finden Frauen selten auf Grund ihres Humors, ihres Witzes, auf Grund dieser Eigenschaften attraktiv.” (Die unsichtbaren Schmähführerinnen)
Über die Mädchenmannschaft bin ich auf einen sehr lesenswerten Artikel gestoßen. Falls hier gerade Leute mitlesen und Lust haben mir die Frage zu beantworten: Welche humorvollen Damen fallen euch so ein? Mir kommt da eigentlich nur Cordula Stratmann in den Sinn. Die Frau ist großartig, weil: nicht albern. Werden Frauen diesbezüglich benachteiligt, weil es ein typisches “Männerding” ist (siehe Artikel) oder ist es vielleicht am Ende doch berechtigt, weil Frauen einfach “Humor” und “Albernheit” total miteinander verwechseln. Ich will Mirja Böhs zum Beispiel immer von der Bühne runterreißen, wenn ich sie zwei Minuten lang sehe bzw ihr zuhöre. Sarah Silverman ist großartig. Amerikanerin. Ellen DeGeneres. Amerikanerin. Die meisten Komikerinnen hier erwecken den Eindruck, dass sie das mit dem Hübschsein vor der Kamera noch viel zu wichtig nehmen. Anke Engelke ist diesbezüglich eigentlich klasse, weil sie in “Ladykracher” auch oft genug in unattraktive Rollen schlüpft.
Solange die Quote allerdings künstlich so weit unten gehalten wird, wundert es mich nicht, dass ich – und vielleicht viele andere auch – den Eindruck haben, Frauen wären in erster Linie einfach nur albern. Ich meine… sind sie nun hauptsächlich albern (abgesehen von Ausnahmen) oder täuscht das einfach?*
Es gibt nichts Schlimmeres als Männer, die von einer Frau verlassen werden, die sie dann abwechselnd verfluchen oder ihr nachweinen und die es nicht schaffen, ihr eigenes Ego hinten anzustellen und mit dem “Aber ich bin doch die Krone der Schöpfung!”-Schwachsinn aufzuhören. Männer, die bis in alle Ewigkeit in diesem Wut-und-Rache-Modus ausharren.
Oh Gott. Heute ist Weltmännertag, ich wusste nichts davon, und ausgerechnet heute behaupte ich pikanterweise in dem Beitrag unten, dass wir uns alle mal wieder verlieben sollten. Ich bitte vielmals um Entschuldigung. Um diesem irrsinnigen Wunsch ein bisschen entgegen zu wirken, wünsche ich allen Männern da draußen heute ein bisschen Sex (egal mit wem, also wie immer), ein großes Schnitzel, Bier und viel Erfolg für die laufende Saison. Ich finde euch super. Und das mein ich jetzt tatsächlich ernst. (Ich meine, ich bin zwar ab und zu ein wenig sarkastisch, aber unterm Strich mag ich euch sehr.)
Jetzt das Lied, dass man einfach an so einem Tag spielen muss.
… dass es möglicherweise nur zwei Arten von Männern gibt. Die einen sind tot und die anderen sind dämlich. Bei Frauen gibt es auch zwei Sorten. Die einen sind doof. Die anderen sind bekloppt. Himmelweiter Unterschied.
Naja. Ich wollte eigentlich nur den Beitrag meines Kollegen MiM hier verlinken, was ich ja dann hiermit auch getan habe.
“Es gibt Menschen, die hat das Leben einfach schon härter angefaßt und sie dazu gezwungen, sich selbst eingehender im Spiegel zu betrachten. Und das sind die Menschen, die es zu finden gilt. Weil man sich in ihnen spiegeln kann. Und es ist schön zu sehen, dass man sich noch in so einen Menschen verlieben kann. Einfach so, grundlos. Ohne Kalkül, ohne Absichten, Hintergedanken oder Forderungen. Dass man noch nicht so bescheuert oder ausgenüchtert ist, dass man das nicht merkt, wenn da einmal der Richtige steht. Und man ihn sogar schon aus der Ferne erkennt.
Und es ist schön, wenn man bemerkt, dass das Herz noch blutet. Wenn man die Sehnsucht spürt. Weil es ein süßer Schmerz ist, der die Angst übertönt und die Wahrnehmung öffnet für die Feinheiten. Die Details, die Grau- und Zwischentöne, das Helle und das Dunkle.”
Es lohnt sich auch den Rest des Beitrags zu lesen. Ein guter Beitrag.
Apropos gut. Ich zähle zu den Frauen, die an den netten, zuvorkommenden Typen gerne mal vorbei schauen. Das ist ein Riesenfehler und ich weiß das auch. Aber ich bilde mir ein, dass Typen, die wirklich sehr sehr nett sind, irgendwie nicht kantig genug sind. Und ich mag Kanten. Es ist ein Fluch oder sagen wir mal, mein Sternzeichen ist Schuld. Stierfrauen (übrigens allesamt ganz ganz wunderbare Frauen, die gerne essen, ficken und schönen Dingen lauschen. Ihr alle solltet eine Stierfrau heiraten.) haben ein selbstzerstörerisches Faible für Problemfälle. Oder problematische Männer.
Ich kann mich prima mit Typen unterhalten, die eine kriminelle Vergangenheit haben. Oder Männer mit Organversagen, bei denen soweit alles prima funktioniert – Penis, Hirn, Ring- und Mittelfinger, Pipapo – nur mit der Herzpumpe stimmt was nicht, die hat seit Jahren unerklärliche Aussetzer. Auch Männer, die längst vom Markt sind und es auch ihr Leben lang bleiben werden, kreuzen hin und wieder meinen Weg.
Vermutlich ziehe ich diese Personen teilweise an, weil sie sich vor mir nicht als perfekten Menschen präsentieren müssen, denn sie wissen, dass im allgemeinen meine Toleranz grenzenlos ist. Ich toleriere alles, außer jemand hält sich für toll und fehlerlos, ist es aber nicht. Ich bin tolerant, ich habe einen klasse Männergeschmack bis zu dem kleinen, beinahe unerkennbaren Moment an dem mir auffällt, dass ich nur dazu benutzt wurde um von anderen Makeln im Leben des anderen abzulenken. Diese Makel hat jeder, es sind nicht die Makel, die ich so lustig und gleichzeitig traurig finde. Ich möchte noch nicht mal bestreiten, dass es unbewusst und ohne eigenes Zutun geschieht. Niemanden trifft die Schuld. Lasst uns eine Bibel zur Hand nehmen und einfach sagen, dass niemand etwas dafür kann.
Es wäre die korrekte Lösung. Aber ich bin nicht einfach so ein lebendiges Wesen mit zwei Gehirnhälften. Ich bin kein glatt poliertes Stück Metall, ich arbeite nicht jeden Tag stundenlang an mir, ich lasse das Leben auf mich regnen und ich reagiere. Ich habe meinen Herzmuskel nicht unter Kontrolle und es hätte nichts verändert oder besser gemacht, wenn es nicht so wäre. Wenn ich nur ein bisschen mehr Kontrolle gehabt hätte. Man kann sich nicht ewig kontrollieren. Kennt ihr jemanden, der ewig die Kontrolle behält? Irgendwann stürzt es aus jedem von uns raus. Es gibt Menschen da draußen, die denken, dass sie seit 50 Jahren alles gut unter Kontrolle haben. Und dann ist es von einen auf den anderen Moment vorbei damit. Es ist diese eine Sache in unserem Leben, für die wir keine Versicherung abschließen können.
Ich ziehe Menschen an, die das Unkontrollierbare in mir heraufbeschwören. Aber ich würde nicht sagen, dass diese Menschen nicht zu den Guten zählen. Es gibt keine Guten. Für die einen ist man gut, für die anderen ist man die personifizierte Hölle auf Erden. Jemand zündet ein Streichholz neben dir an und du erscheinst in einem völlig anderen Licht als vorher.
Wenn ich an die Menschen zurück denke, die leider nicht nur Gutes in mir zurückgelassen haben, dann habe ich im Gegensatz zu der Phase, in der man üblicherweise alle möglichen niederschmetternden Gedanken in sich trägt, nichts wirklich Schlechtes mehr dazu zu sagen. Das Leben geht weiter, die Vorwürfe ebben zunächst nicht so schnell ab, man zieht vieles ins Lächerliche, vor allem wenn man ich ist. Aber irgendwann ist es vorbei. Vergessen ist irgendwie schwieriger als gedacht, aber man reagiert nicht mehr. Oder wohl überlegter. Weniger impulsiv, eigentlich überhaupt nicht mehr impulsiv. Nicht mehr unkontrolliert, weil es nichts mehr zu kontrollieren gibt. Und irgendwann ist man so erwachsen oder vielleicht auch abgehärtet, dass man sagt: Mir fielen ungefähr dreißig Mann ein, die mehr oder weniger irgendetwas an mir schrecklich oder verletztend oder lächerlich finden. Die es nicht verstehen. Die Vorurteile haben. Und es ist mir egal, es ist mir egal, dass mir so viele Namen einfallen würden und es ist mir egal ob ich damit Recht hätte oder nicht. Weil ich jeden Tag älter werde und mich somit automatisch von dem entferne, was Schatten in mir geworfen hat oder vielleicht immer wieder werfen wird. Egal.
Ich weiß nicht ob ich irgendwann mal jemandem begegne, der auf Anhieb nett zu mir ist und der sich selbst nicht kontrollieren muss. Der mich einfach akzeptieren kann und mir nicht irgendeine Freak-Rolle aufbrummt, weil ihm gar nichts anderes übrig bleibt. Jetzt wo ich mich nicht mehr so schrecklich finde wie gestern oder vorgestern oder vor ein paar Jahren.
Ich bin selbst noch ein Kind. Und das ist gut so; aber nur Kinder laufen vor den netten Dingen weg und deswegen wünsche ich mir, dass ich irgendwann in dieser Hinsicht etwas weniger Kind bin und da jemand ist (hey, es können auch mehrere sein, nur nicht alle auf einmal) der mich nicht in die Flucht schlägt. Weil niemand von sich selbst behaupten kann, dass er selbst nicht ab und zu flüchtet oder Schatten auf andere wirft.
Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Männern, für die man auf Anhieb eine Schwäche hat und Männer, für die man nicht diese Art von Schwäche hat aber bei denen einem durch den Kopf geht, dass es schön wäre sie vor Ablauf dieses Jahrtausends mal geküsst zu haben. Weil man das Gefühl hat, dass es einfach toll wäre.
Über die erste Gruppe von Männern spricht man mit Freundinnen. Die zweite Gruppe von Männern, die sich vielleicht für viele gar nicht von der ersten unterscheidet, wird nie thematisiert. Vielleicht offenbart sie das, was man wirklich will, nicht was die Gesellschaft einem vorgibt zu wollen. Oder das, wo der Blick hinwandert, wenn man eigentlich dachte, schon halb blind zu sein und nicht mehr sehen zu können, weil man freiwillig die Augen geschlossen hat.
Was ist damit? Hört das auf, verschwindet es in einer grauen, bedeutungslosen Masse mit den anderen, wenn man älter wird? Oder wird es diese Typen immer geben, von denen man bis zuletzt nie weiß ob sie großartig oder genauso beliebig austauschbar sind wie der Rest und vielleicht sogar man selbst?
Vor einigen Monaten hätte ich diese Frage nicht gestellt. Da gab es das nicht. Es gab kleine Schwächen, unkaputtbare Schwächen, vorübergehende Schwächen. Schwächen fallen zu Launen, Zufällen, Promilleanteilen zusammen. Schwächen wie Hindernisse.
Und wenn du merkst, dass es Menschen da draußen gibt, die kein Hinderniss sind, über die du nie geredet und denen du es nie gezeigt hast, dann merkst du wie sekündlich das Leben eine Spur leichter wird. Weil du ihnen nicht die Möglichkeit gibst, zu einem Zufall zusammen zu fallen. Weil du sie einfach sein lässt. Du musst es niemandem sagen. Egal zu was es vor Ablauf dieses Jahrtausends überhaupt noch kommt. Du musst es einfach nur wissen und darfst es nicht vor dir selber verstecken.