Die Guten. Was heißt eigentlich “Die Guten”? Und wer sind die Schlechten?

“Es gibt Menschen, die hat das Leben einfach schon härter angefaßt und sie dazu gezwungen, sich selbst eingehender im Spiegel zu betrachten. Und das sind die Menschen, die es zu finden gilt. Weil man sich in ihnen spiegeln kann. Und es ist schön zu sehen, dass man sich noch in so einen Menschen verlieben kann. Einfach so, grundlos. Ohne Kalkül, ohne Absichten, Hintergedanken oder Forderungen. Dass man noch nicht so bescheuert oder ausgenüchtert ist, dass man das nicht merkt, wenn da einmal der Richtige steht. Und man ihn sogar schon aus der Ferne erkennt.

Und es ist schön, wenn man bemerkt, dass das Herz noch blutet. Wenn man die Sehnsucht spürt. Weil es ein süßer Schmerz ist, der die Angst übertönt und die Wahrnehmung öffnet für die Feinheiten. Die Details, die Grau- und Zwischentöne, das Helle und das Dunkle.”

Es lohnt sich auch den Rest des Beitrags zu lesen. Ein guter Beitrag.

Apropos gut. Ich zähle zu den Frauen, die an den netten, zuvorkommenden Typen gerne mal vorbei schauen. Das ist ein Riesenfehler und ich weiß das auch. Aber ich bilde mir ein, dass Typen, die wirklich sehr sehr nett sind, irgendwie nicht kantig genug sind. Und ich mag Kanten. Es ist ein Fluch oder sagen wir mal, mein Sternzeichen ist Schuld. Stierfrauen (übrigens allesamt ganz ganz wunderbare Frauen, die gerne essen, ficken und schönen Dingen lauschen. Ihr alle solltet eine Stierfrau heiraten.) haben ein selbstzerstörerisches Faible für Problemfälle. Oder problematische Männer.

Ich kann mich prima mit Typen unterhalten, die eine kriminelle Vergangenheit haben. Oder Männer mit Organversagen, bei denen soweit alles prima funktioniert – Penis, Hirn, Ring- und Mittelfinger, Pipapo – nur mit der Herzpumpe stimmt was nicht, die hat seit Jahren unerklärliche Aussetzer. Auch Männer, die längst vom Markt sind und es auch ihr Leben lang bleiben werden, kreuzen hin und wieder meinen Weg.

Vermutlich ziehe ich diese Personen teilweise an, weil sie sich vor mir nicht als perfekten Menschen präsentieren müssen, denn sie wissen, dass im allgemeinen meine Toleranz grenzenlos ist. Ich toleriere alles, außer jemand hält sich für toll und fehlerlos, ist es aber nicht. Ich bin tolerant, ich habe einen klasse Männergeschmack bis zu dem kleinen, beinahe unerkennbaren Moment an dem mir auffällt, dass ich nur dazu benutzt wurde um von anderen Makeln im Leben des anderen abzulenken. Diese Makel hat jeder, es sind nicht die Makel, die ich so lustig und gleichzeitig traurig finde. Ich möchte noch nicht mal bestreiten, dass es unbewusst und ohne eigenes Zutun geschieht. Niemanden trifft die Schuld. Lasst uns eine Bibel zur Hand nehmen und einfach sagen, dass niemand etwas dafür kann.

Es wäre die korrekte Lösung. Aber ich bin nicht einfach so ein lebendiges Wesen mit zwei Gehirnhälften. Ich bin kein glatt poliertes Stück Metall, ich arbeite nicht jeden Tag stundenlang an mir, ich lasse das Leben auf mich regnen und ich reagiere. Ich habe meinen Herzmuskel nicht unter Kontrolle und es hätte nichts verändert oder besser gemacht, wenn es nicht so wäre. Wenn ich nur ein bisschen mehr Kontrolle gehabt hätte. Man kann sich nicht ewig kontrollieren. Kennt ihr jemanden, der ewig die Kontrolle behält? Irgendwann stürzt es aus jedem von uns raus. Es gibt Menschen da draußen, die denken, dass sie seit 50 Jahren alles gut unter Kontrolle haben. Und dann ist es von einen auf den anderen Moment vorbei damit. Es ist diese eine Sache in unserem Leben, für die wir keine Versicherung abschließen können.

Ich ziehe Menschen an, die das Unkontrollierbare in mir heraufbeschwören. Aber ich würde nicht sagen, dass diese Menschen nicht zu den Guten zählen. Es gibt keine Guten. Für die einen ist man gut, für die anderen ist man die personifizierte Hölle auf Erden. Jemand zündet ein Streichholz neben dir an und du erscheinst in einem völlig anderen Licht als vorher.

Wenn ich an die Menschen zurück denke, die leider nicht nur Gutes in mir zurückgelassen haben, dann habe ich im Gegensatz zu der Phase, in der man üblicherweise  alle möglichen niederschmetternden Gedanken in sich trägt, nichts wirklich Schlechtes mehr dazu zu sagen. Das Leben geht weiter, die Vorwürfe ebben zunächst nicht so schnell ab, man zieht vieles ins Lächerliche, vor allem wenn man ich ist. Aber irgendwann ist es vorbei. Vergessen ist irgendwie schwieriger als gedacht, aber man reagiert nicht mehr. Oder wohl überlegter. Weniger impulsiv, eigentlich überhaupt nicht mehr impulsiv. Nicht mehr unkontrolliert, weil es nichts mehr zu kontrollieren gibt. Und irgendwann ist man so erwachsen oder vielleicht auch abgehärtet, dass man sagt: Mir fielen ungefähr dreißig Mann ein, die mehr oder weniger irgendetwas an mir schrecklich oder verletztend oder lächerlich finden. Die es nicht verstehen. Die Vorurteile haben. Und es ist mir egal, es ist mir egal, dass mir so viele Namen einfallen würden und es ist mir egal ob ich damit Recht hätte oder nicht. Weil ich jeden Tag älter werde und mich somit automatisch von dem entferne, was Schatten in mir geworfen hat oder vielleicht immer wieder werfen wird. Egal.

Ich weiß nicht ob ich irgendwann mal jemandem begegne, der auf Anhieb nett zu mir ist und der sich selbst nicht kontrollieren muss. Der mich einfach akzeptieren kann und mir nicht irgendeine Freak-Rolle aufbrummt, weil ihm gar nichts anderes übrig bleibt. Jetzt wo ich mich nicht mehr so schrecklich finde wie gestern oder vorgestern oder vor ein paar Jahren.

Ich bin selbst noch ein Kind. Und das ist gut so; aber nur Kinder laufen vor den netten Dingen weg und deswegen wünsche ich mir, dass ich irgendwann in dieser Hinsicht etwas weniger Kind bin und da jemand ist (hey, es können auch mehrere sein, nur nicht alle auf einmal) der mich nicht in die Flucht schlägt. Weil niemand von sich selbst behaupten kann, dass er selbst nicht ab und zu flüchtet oder Schatten auf andere wirft.

5 Kommentare zu “Die Guten. Was heißt eigentlich “Die Guten”? Und wer sind die Schlechten?”

  1. Wahre Worte von anderen. #2 « Sternengreiferin schrieb:

    [...] sagt Franzi einfach mal so wahre Dinge. Dann möchte ich die nickend die Straße auf und ab laufen und in [...]

  2. Tetus schrieb:

    Danke, ma chère. Ich sag nur eins: Widder.

  3. M.i.M. schrieb:

    Notiert …. “Stierfrau kennenlernen”….

  4. thomas schrieb:

    das mit dem streichholz hast’ doch abgeschrieben… :)

  5. kathrynsky schrieb:

    ich bin auch stier :)

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