Atzen machen Party pur
Ich habe es überlebt. Ich habe es verdammt nochmal überlebt. Drei Stunden hab ich auf diesem Baum gestanden. Um mich herum nackte, schwitzende, sagen wir halbtote Menschen. Kein Sauerstoff, null Wasser. Und es wollten immer mehr kleine Mädchen hoch zu uns.
Kleine Zwischenfrage: Sagt mal, habt ihr nicht so richtig geschnallt, dass da oben bei uns kein Platz mehr war oder seid ihr irgendwann mal beim Popstars-Casting frühzeitig rausgeflogen und brauchtet nochmal eure legendären 5 Minuten? Da muss man sich nicht wundern, wenn von hinten so zehn Hände kommen und einen einfach mal umwuchten wollen. Pack!!! (Baum und Bus waren im Preis von 10 Euro inbegriffen, Mann! Wer nicht bezahlt hat, kommt nicht drauf)
Wie gesagt… ich, Franziska, körperbehindert, Tendenz zum regelmäßigen Kreislaufkollaps und total gegen Asimucke, stand drei Stunden lang tanzend auf bzw an dem Baum rum. Und ich war noch nicht mal so betrunken, dass man sagen kann, dass es daran lag. Es hat einfach jeder geschwitzt und getanzt und ich hatte natürlich kein wasserfestes Augen-Makeup. Zombiemäßig. Aber war geil. Frauenarzt im Alpenrausch, gibts denn eigentlich was schlechteres?
Deichkind erste Reihe ist da glaub ich nichts gegen, obwohl es schon vergleichbar ist. Der Baum war eigentlich meine Rettung, wenn ich da unten auf der Tanzfläche gestanden hätte, wäre ich einfach wortlos tot umgefallen und alle wären über mich drüber geatzt. Schlimm.
Irgendwann beim Getränkeholen wurde ich dann aggressiv weil irgendein Stecher mit seiner neuen Eroberung da wie festgewachsen da stand und allen den Platz weggenommen hat. Ich hab ihn und seine Tussie wirklich so lange mit Blicken von hinten hypnotisiert, bis er´s irgendwann geschnallt hat. “Du stehst hier echt richtig toll!” Der fand mich glaub ich superscheiße, weil ich vor allem auch so ausgesehen hab.
Aber die Zeiten sind jetzt einfach mal vorbei. Weiber, die mir auf den Füßen rumtanzen werden dezent weggedrückt und die Typen im Alpenrausch sind sowieso alle fertig mit der Welt. Samstagabend wird sich irgendwas Hässliches drübergezogen und man hofft, irgendeine Tittenmaus abzubekommen, die man nachts noch im Vollsuff ins Bettlaken einarbeiten kann und Sonntagmorgen muss man dann wieder früh raus wegen Freiwillige Feuerwehr und so. Fail!!!!
Jedenfalls hab ich mich auf meiner eigenen Skala hochgearbeitet. Keine Ahnung was das für ne Skala ist, sie betrifft auch nur mich und mein Leben und wie man sich manchmal einfach selbst im Weg steht. Da bin ich jedenfalls jetzt wieder einen Prozentpunkt nach oben gerutscht, weil ich es geschafft habe, nicht dabei draufzugehen. Das probieren wir demnächst nochmal. Nicht unbedingt im Alpenrausch, aber vielleicht geh ich demnächst einfach mal auf irgendein beschissenes Rockkonzert und lege mich bei der Wall of Death lässig auf den Boden. Könnte klappen. Könnte aber auch ins Auge gehen. Wortwörtlich.
Ich wünsche euch einen schönen Sonntag. Alle die überlebt haben, können sich jetzt eigentlich wirklich ne Urkunde drucken lassen, weil das war schon ne reife Leistung.


am Sonntag, 30. August 2009 um 18:14 Uhr
Hi, vielen Dank fuer die Berichterstattung. Hatte erwartet, heute beim Aufstehen den Einsatzbericht meines Steilcommanders auf dem Tisch liegen zu haben, aber der laesst ganz schoen nach. Vielleicht sollte ich ihn wieder degradieren…
Na ja, wie dem auch sei, aus Ihrem Bericht kann ich entnehmen, dass die Mission “Atzen im Sauerland” erfolgreich war. Es sind wohl keine groesseren Verluste zu verzeichnen. Das inoffizielle Ziel “Eroberung des Baumes in der Mitte” wurde auch erreicht und Sie haben den Einsatz ueberlebt. Gute Arbeit Soldat, immer weiter so!
am Montag, 31. August 2009 um 16:35 Uhr
ach franzi ich liebe dich für solche texte die einfach soviel wahrheit an den tag legen das es manchen meschnen schon wehtun müsste wenn sie das lesen. Vllt wird ja die Welt noch besser durch dich!