Wir haben ernsthaft keine Ahnung
Aber was ist denn dann, wenn man den richtigen Menschen liebt? Ist man dann entspannter, konzentrierter, satter? Kann man Dinge tun, die man vorher noch nicht konnte? Schneidet man sich die Fingernägel anders? Schmeckt das Essen besser? Schwitzt man weniger? Ist man netter zu Mitmenschen? Genießt man das Gefühl, launisch sein zu können, weil der andere einen sowieso liebt und das verzeiht? Verträgt man mehr oder weniger Alkohol? Muss man spontan anfangen, zu tanzen? Bekommt man immer Kuchen, wenn man will? Fahren einen nie mehr Kinder mit Fahrrädern um? Kann man fliegen?
Ich mag ja den Blog von der Gosch. Ich glaub die Frau sieht ganz gut aus, ist Single, vermutlich temperamentvoll und sie hat so gesunde Ansichten irgendwie. Vor allem über Männer. Aber auch über Frauen. So wie ich ;-) Und diese Fragen hier aus einem ihrer Blogeinträge sind so berechtigt, dass ich sie mal aufgreifen möchte. Ernsthaft Leute, sagts mir. Sagt mir warum ihr alle so ein Riesen Gedöns darum macht, warum ihr bisweilen so versessen darauf seid euer Singleleben zu beenden?
Und warum dann von euch vermehrt so Sachen kommen wie “Jetzt bin ich nicht mehr allein!” (Cool. Schonmal an Freunde gedacht oder daran, deiner Mama mal wieder zu sagen, dass du sie trotz allem ganz lieb hast?) Oder “Jetzt muss ich endlich nicht mehr allein auf Partys!” (Die Lösung des Problems hier wären auch Freunde). Oder “Jetzt weiß ich wenigstens was ich Freitagabend und Sonntag mache.” (Klassische Aussage von Leuten, die sich mit sich selbst langweilen. Das sind wahrscheinlich auch Leute, die sich vorm Onanieren/Masturbieren einen Porno angucken müssen) Oder der Klassiker “Wenn ich jemanden brauche ist jemand da.” (Cool. Sag mal, aber du liebst den anderen schon auch und so, oder? Ich mein ja nur. Weil diesen Schrott hört man immer wieder und so langsam bin ich es leid. Was man “braucht” sind Blutkonserven, Essen und Sauerstoff, wenn es drauf ankommt. Ein vernünftiges Shampoo gegen Haarbruch braucht man, wenn man es nicht auftreiben kann, muss man sich halt irgendwie damit arrangieren. Aber einen Menschen brauchen… das klingt erstmal romantisch, aber irgendwie ist es ein bisschen beängstigend.)
Ich traue dem ganzen nicht. Gut, ich bin auch vorbelastet. Ich hatte nie ein gesundes, romantisches Verhältnis zu irgendeinem Mann. Ich kenne überdurchschnittlich viele großartige Männer, aber derjenige, der es schafft sich in mich zu verlieben und mein Selbstvertrauen nicht in den Keller fallen zu lassen, war nie dabei. Die Schuld daran gebe ich niemandem mehr mittlerweile, außer dem lieben Gott, bestimmten Kettenreaktionen, Zufällen, dem Alkohol und einer Aneinanderreihung von simplen Reaktionen. Und nichts wird so heiß gegessen wie es gekocht wird. Vor einem Jahr war ich mir sicher, ich könnte mich einer Gruppe verschiedener Menschen nicht mehr bis auf hundert Metern nähern, weil sie dieses und jenes von mir denken (müssen), Vorurteile haben oder sich einfach nur eine Meinung bilden können auf Grund der Dinge, die sie eben kennen. Gleichzeitig dachte ich: Niemand bildet sich ein Urteil über dich, Zeitverschwendung, du bist denen nämlich gleichgültig und warst es auch immer. Das ist zunächst schmerzhaft, aber wenn man eine gewisse Zeit lang die Möglichkeit hatte, sich daran zu gewöhnen, ist es das irgendwann nicht mehr. Und wenn man dann feststellt, dass nach Samstag ein Sonntag und dann ein Montag kommt und man ohne die kleinste Anstrengung wahrscheinlich jeden Typ um sich herum in irgendeiner Weise manipulieren könnte, nur um sich selbst einen kleinen Moment der Freude und Genugtuung zu gönnen, verfliegt diese Angst ganz schnell.
Ich bin jemand geworden, der auf zehn Stellen hinterm Komma exakt den Promillewert desjenigen Mannes bennen kann, der einem gerade eine sms schickt oder der nochmal mit einem reden möchte oder der einen gerade unabsichtlich schikaniert oder weiß der Teufel … gerne eine Runde ficken möchte, wenn es eine andere ist, ist das aber auch nicht so schlimm, man ist nicht mehr so wählerisch. Manchmal ist die Persönlichkeit eines Mannes schlichtweg das, was er schon intus hat. Schön ist es, wenn sie auch mal nüchtern sind. Dann nennen sie einen “Franziska”, sind schüchtern, aber irgendwie auch arrogant und man denkt bei sich: Mein Gott, vermutlich bin ich genauso, oder auch nicht, wer weiß das schon – und wenn du jetzt verschwindest, dann bringt mich das auch nicht um.
Warum sich also so sehr nach einer Beziehung sehnen, wenn die meisten Menschen um einen herum, Frauen wie Männer und man selbst vermutlich auch, einfach nur aus Haut und Knochen, einer Frisur, irgendeinem Geschlechtsmerkmal und einer Aneinanderreihung von Trotzreaktionen bestehen. Es ist tragisch, irgendwie traurig, weil manchmal begegnet man Menschen, in deren Richtung man nicht sehen darf und auch das ist zunächst schmerzhaft. Aber sie unterscheiden sich nicht vom Rest, sie unterscheiden sich nicht von einem selbst, sie sind auch nur eine einzige Trotzreaktion, vielleicht sind sie es wert, dass jemand sie liebt, vielleicht bin ich es wert, dass jemand mich liebt. Liebesdinge sind nicht romantisch aber viel zu schnell lassen Menschen es dazu kommen. Sie erzählen einem von der Märchenwelt und all den “Gefühlen”, die sie empfinden und all die Bedürfnisse, die befriedigt werden und irgendwann siehst du diese Beziehung und vermutest, dass die 100% Liebe, die sich in Vertrauen, Treue, Sex, Nähe und weiß der Teufel was aufteilt, zu einem gewissen Teil dem kleinen Wort “Zweck” gewichen sind.
Und weil das so ist, beneide ich eigentlich nur noch Menschen, die verliebt sind. Die morgens nach dem Aufstehen an jemanden denken, ganz automatisch. Und die die einfachsten, dümmsten Dinge mit einem Lächeln und einer Energie tun, die sie so nie wieder inne haben werden. Menschen die verliebt sind, egal ob das erwiedert wird, können keiner Fliege etwas zuleide tun und wenn sie stark genug sind akzeptieren sie ohne mit der Wimper zu zucken, dass vieles sich am Ende verliert und es keinen Anfang, sondern immer nur diesen Zustand gibt, der sich sehr schnell wieder auf dem Rückzug befindet, aber nie ganz beim Punkt 0 ankommt.
Vielleicht bleibe ich ja alleine. Vermutlich. Ich hätte gerne Kinder irgendwann, die muss ich dann adoptieren oder eine Samenbank aufsuchen. Das ist scheiße. Aber vielleicht kommt´s auch anders.
Und ich hab keine Schuldgefühle mehr. Hatte ich vor vielen Monaten. Heute denk ich nicht mehr, dass irgendwas falsch oder richtig war. Und ich war nie romantisch, ja ich werde sogar sehr schnell unromantisch, was viele Menschen da draußen betrifft. Vermutlich bin ich Realist, dann doch irgendwie. In den nächsten Jahren wird bei mir nichts zerbrechen, es wird höchstens Anfänge geben. Es gibt nichts was ich halten muss und niemand braucht mich und zerbricht daran, wenn es mich mal nicht mehr gibt.
Beziehungen. Ich glaube, das größte auf dieser Welt ist Liebe. Und die ist nicht gleich Beziehung. Mehr weiß ich nicht. Ich gehe auf die Straße und spüre da irgendwas, von einer Beziehung kann meist keine Rede sein. Ich seh eine Mutter und ihr Kind; zwei Menschen die nicht miteinander ficken, aber die sich in den nächsten Jahren vermutlich nie verletzen, sondern füreinander da sein werden. Ich seh Menschen, die füreinander in die Presche springen, aber es nie laut sagen würden. Und ich seh Menschen, die sich beißen, kratzen und anspucken, aber dem anderen alles Gute für den Rest seines Lebens wünschen, es aber nie laut äußern, weil es sie in ein schwaches Licht rücken würde.
Vielleicht gibt es sie auch gar nicht. Eine Beziehung ist wenigstens greifbar, Liebe nicht. Man kann sich also nicht darauf verlassen. Auf eine Beziehung kann man sich verlassen wie auf den Milchmann, der einem jeden Morgen eine Flasche vor die Tür stellt (Tolles Beispiel, Franziska).
Ich glaub, dass man immer geliebt wird. Von vielen Menschen. Vielleicht bin ich ja doch romantisch. Es ist nur nicht die Liebe, von der wir immer träumen, die Worte wie “Ewigkeit” und “ohne dich bin ich nichts” beinhalten muss. Es gibt vermutlich sehr viel mehr Formen von Liebe als wir es uns eingestehen und die meisten davon haben nichts mit dem Bild von dem Liebespaar zu tun, das am Wasser steht und am Horizont geht natürlich gerade auf unfassbar schöne Art und Weise die Sonne unter. Meistens verlieren wir etwas, sind innerlich zerstört und machen dann “relativ schnell” irgendwie weiter. Vielleicht liegt das daran, dass wir im Unterbewusstsein spüren, dass da noch ein Rest von Liebe ist, sie kommt von einer Handvoll Leuten, aber wir nehmen sie als etwas anderes wahr.
Beziehungen. Klar, führt ruhig Beziehungen. Manche sind gut, manche sind schlecht, manche haben erst angefangen und manche werden irgendwann aufhören. Jeder brauch das, jeder brauch zeitweise einen anderen im Leben, einen Partner an seiner Seite, der einen Teil der Strecke mitgeht, manchmal die ganze Strecke. Das ist schön, aber ich halte es nicht besondes oft für notwendig. Ich halte Dinge wie Vergebung für wichtiger – nein ich bin nicht religiös. Ich halte einfach nur Dinge wie Vergebung und einmal am Tag lachen, bis der Arsch zu platzen droht, egal wer oder was man für die anderen sein mag, für viel viel wichtiger.


am Sonntag, 16. August 2009 um 14:29 Uhr
wenn mein strunzdoofer nachbar, der bei geburtstagsfeiern bierkästen der gastgeber klaut, ein passendes pendant findet, besteht immer noch hoffnung für uns ;)
ne ma ernsthaft. verliebt sein is das größte! bei mir is das leider ungelogen nur alle schaltjahre so. 2000, 2004, 2008. heißt: nächsten drei Jahre hab ich Ruhe! Wooho. Joa und wenns dann doch mal echte Liebe ist, weiß ich weigstens ob ich immer immer Kuchen bekomm! Muha
Gruß von der “gutaussehenden”, “temperamentvollen” frau, die gerade mit verwatztesten Klamotten, fettigen Haaren und Lesebrille vorm Laptop sitzt :P
am Montag, 17. August 2009 um 13:02 Uhr
es geht ums gluecklichsein; man bildet sich ein, wenn man “den richtigen mensch gefunden hat” gluecklich zu sein. ich kann nicht beurteilen, ob das so ist, aber diese hoffnung ist es doch, die die partnersuche vorantreibt, oder nicht?
am Montag, 17. August 2009 um 13:20 Uhr
Ja, ich denke damit hast du recht.
Ich glaube nur, dass mich niemand glücklich machen kann, wenn ich es ohne ihn nicht auch ein bisschen bin. Glücklicher vielleicht, das bezweifle ich nicht und das ist auch gut so. Ich selbst kann noch ein Stück glücklicher sein und ich denke der Schlüssel dazu ist irgendein Mann da draußen, niemand ist wirklich “Single aus Überzeugung” oder weil es einfach “schön ist allein zu sein.” Es ist nicht schön in dem Sinne, da fehlt schon irgendwie was. Aber manche geben sich irgendwie nicht die Chance, etwas für sich selbst zu finden, was sie glücklich macht. Die sehen das als Schwäche an, niemanden zu haben, aber es ist keine Schwäche. Und auch kein armseliger Zustand.
am Montag, 17. August 2009 um 21:15 Uhr
Ich sehe auch noch einen Unterschied zwischen “allein” und “einsam”. Allein sein ist kein Problem, dass ist wohl persönlichkeitsabhängig, einige könnens, andere nicht.
Aber einsam – oft wenn man einsam ist, “etwas” nicht funktioniert, wünscht man sich jemanden. Und da sehe ich die Schwierigkeit, dem “Anderen” auf Augenhöhe zu begegnen. Nicht die ganzen Sehnsüchte und Bedürfnisse auf ihn/sie zu projizieren und mit Erwartungen zu überfrachten. Ich finde das nicht schlimm, es ist menschlich, nur bezweifle ich, dass es dann funktioniert, wenn man letzlich nur einen Seelentröster möchte. Bestenfalls kann man sich gegenseitig nutzen für ne Zeit.
Man sollte wohl erst mit sich selbst zufrieden sein, dann funktionierts auch mit dem Nachbarn. So verstehe ich dein “…dass mich niemand glücklich machen kann, wenn ich es ohne ihn nicht auch ein bisschen bin.”
Und Romantik ist nicht der allgegenwärtige Candlelight-Kitsch im Weichzeichner (und im Oberstübchen spielen die Geigen), sie entsteht aus der Situation heraus mit einem ganz bestimmten Gegenüber. Eigentlich nicht vorherzusagen und unverwechselbar wie ein DNA-Profil (Fingerabdruck ist out). Das kann auch gemeinsam kotzend an irgend einen Zaun gelehnt sein.
am Dienstag, 18. August 2009 um 11:18 Uhr
“It is not easy to find happiness in ourselves and it is not possible to find it elsewhere.” (Agnes Repplier)
am Dienstag, 18. August 2009 um 16:46 Uhr
Habe vergessen zu ergänzen, dass das da oben blanke Theorie ist, ich mich selbstverständlich nicht daran halte und gern dabei aufs Maul fliege.
am Mittwoch, 19. August 2009 um 17:55 Uhr
ich fand deinen text sehr schön!
und ich weiß genau was du meinst.
und ich teile die meinung: das eigene leben muss ein eisbecher sein. ein eisbecher, mit vielen verscheidenen sorten, die einem schmecken, erdbeer für die familie, schoko für die freunde, vanille für den job/studium/ausbildung, kirsche für das hobby und zitrone für die kleinen dinge im leben. schnee auf einem ast. blütenstaub, der am fenster klebt. das päckchen, auf das man so lange gewartet hat. all die freuden des alltags.
man muss glücklich sein. mit sich selbst. in sich.
und man muss sich vorallem selbst aushalten können.
wenn dann ein mann kommt, dann ist der mann die sahne mit den schokosträußeln auf dem eisbecher. der zusatz. das letzte quäntchen.
so sehe ich das.
liebe muss nicht romantisch sein. liebe muss tief sein. ehrlich. klar. wahrhaft. innig.
sie muss nach warmem apfelkuchen schmecken. mit sahne ;-)
der andere sollte niemand sein, den man braucht, weil man gern einen gratis alleinunterhalter/therapeuten o.ä. bruacht. sondern jemand, mit dem man sein leben teilen kann. den man liebt um seiner selbst willen. ohne schminke im neonlicht.
und nein, ich muss dir widersprechen.
es gibt keine sicherheit in einer beziehung.
sie kann jeden tag zu ende sein.
aber wenn man dieses gefühl nicht mehr hat, diese angst, wenn man nicht mehr darüber nachdenken muss “ist er der richtige”, wenn sich all diese fragen erübrigen, dann ist er der richtige.
sicher sind wir alle nur ein mix aus hormonen, zellen, aminosäuren und der unendlich andauernden replikation.
aber wir sind so viel mehr.
wir haben die macht die welt die welt zu verändern.
nutzen wir sie.
für die liebe!
am Montag, 31. August 2009 um 07:22 Uhr
Sie haben ernsthaft keine Ahnung…
meint Franzi in ihrem Blog, und bezieht sich damit auf einige Fragen von Der Gosch.
Ich zitiere der Einfachheit mal letztere, um die Fragen aufgreifen zu können:
Was ich mich nur frage: Wie fühlt man sich denn so, wenn man weiß, dass man den Res…