Open Flair – Nicht bummeln!
Als ich heute Nacht ins Bett fiel, war ich totkrank. Und im Prinzip bin ich das auch jetzt immer noch. Ich hab einen Sonnenbrand aller erster Sahne, heute Nacht brannte mir die ganze Birne und die Schultern, fühlte sich ein bisschen so an wie kurz vor nem Sonnenstich.
Donnerstag Anreise mit Niggo, diverse fantastisch aussehende Typen, die schon im letzten Jahr irre sexy waren, laufen einem kurz zufällig über den Weg. Man trifft die obligatorischen Mistsäue aus Röddenau, landet zweimal auf dem Boden, bittet die Leute mit der größten Anlage bitte einmal kurz 2 Unlimited zu spielen und freut sich, weil sie der Bitte umgehend nachkommen. Tanz! Ich bekomme ein großes, leckeres Steak und Hermann M. findet, dass “Ditschitalizzzm” eine verdammt geile Live-Band sind.
Lied des Tages:
Siamesen kann niemand trennen, Schizophrene sind nie allein.
Pädophile ham immer Bonbons und ich hab mein Verein.
Freitag brütende Hitze und lange Schlangen vor den Duschen. Ich irre durch die Stadt auf der Suche nach einem Hängerkleidchen für besonders schwule Mädchen, weil ich mir sicher bin, dass alle Beinkleider schon nach kürzester Zeit mit Schweiß durchtränkt sein werden. Die Suche ist hoffnungslos. Der Auftritt der Subways zeigt mir, warum viele sie für eine der besten Live-Bands halten. Nachts spontane Knutscherei mit einem Fremden. Physik-Student au Darmstadt. Ich bin ihm sympathisch, weil ich im Suff meine These, dass alle BWL-Studenten kleine Pimmel und null Talent haben, darlege. Ich glaube er hatte dunkelbraune Haare, an den Rest kann ich mich nicht mehr erinnern (Ach schön, dass es StudiVZ gibt und ich den Namen noch weiß. Er sieht gut aus. Ich bin beruhigt, hätte mich jetzt irgendwie völlig aus der Bahn geworfen, wenn ich mit nem hässlichen Mann geknutscht hätte). Ich stelle im Suff fest, dass die Crystal Castles sich auf meinen Lautsprechern zu Hause scheiße anhören und sie jetzt plötzlich super klingen und muss dafür zwei oder drei vorwurfsvolle Blicke und Kommentare von links über mich ergehen lassen. (Hiermit entschuldige ich mich bei allen Autoren von turn-it-on.de dafür, dass ich der Ansicht war, sie wären zum Davonlaufen. Ich war im Unrecht, ich bin ein Vollhonk). Irgendeine Mistsau macht mir eine teuflische Mischung aus Pest und Cholera, danach sitze ich stundenlang mit einer Wolldecke schlafend vor unserem Camp, bis Ali mir den Weg ins Zelt zeigt und noch zwei andere Kinder mit dazu legt. Hallo Laura, Hallo Chris.
Ich kenn´n Lied, das geht euch auf´n Sack. Geht euch auf´n Sack. Geht euch auf´n Sack…
Samstag ist der Tag an dem ich sterbe. Meine Körperfunktionen verweigern mir ihren Dienst und ich muss mir stöhnend im Halbschlaf ungefähr zwanzig Minuten lang “Deine Mudda”-Witze anhören, die irgendjemand abspielt. Es ist die Hölle. Ich kotze elf Mal, anfangs noch aus Höflichkeit in diese irren Dixie-Klos. Es geht mir durch den Kopf, dass viele Menschen in meinem Umfeld einfach mal miteinander schlafen sollten. Am Ende des Tages wird mir dazu auch der passende Spruch geboten (”Die muss einfach mal richtig durchgenommen werden, damit sie weiß wo sie in der Nahrungskette steht.”). Tot und voll lege ich mich mit einer orangefarbenen Wolldecke in die brütende Hitze und verweile dort stundenlang. Nachmittags duschen und erste Nahrungsaufnahme, während manch anderer sich irgendeine Loser-Band anguckt oder wasauchimmer. Bla.
Heath Ledger versucht derweil dem Jim Beam den Garaus zu machen. Er ist äußerst erfolgreich. Als wenige Stunden später der Regen uns ins Gesicht peitscht und keinen Zweifel mehr darüber aufkommen lässt, dass wir uns gleich auf einem völlig abgefuckten, nassen, schlammigen Campinggelände befinden werden, lacht und feiert er sich einen ab und verwickelt sich selbst in eine Schlägerei mit dem Vietz. Der Grillkäse ist zäh wie Gummi. Clueso is´n cooler Typ, leider haben wir ihm nur zuhören können, weil die Schlange vorm Eingang zu lang war. Daher auch kein Maximo Park am Samstag. Weil die Bimbos, die die ganze Zeit mit in unserem Camp schlafen durften, einen Teil unserer Stühle wie selbstverständlich besetzten, kriege ich Aggressionen und will mich gar nicht erst dazu setzen. Wir besuchen also wieder mit ein paar Mann die obligatorischen Homofürsten aus Röddenau und weil einige von ihnen Angst um Vorräte haben findet meine dreiviertel volle Kiste Bier den Weg dorthin. Hätte ich eh nicht mehr alleine trinken können, tot wie ich war. Nochmal Danke für eure Gastfreundschaft und euren bis auf wenige Ausnahmen ausgezeichneten Musikgeschmack. Trotzdem denke ich auch, dass zwanzig Röddenauer rein gar nichts ausrichten können gegen einen einzigen Rosenthaler. Das sind andere Dimensionen, ist ne ganz klare Sache.
Ich schlafe unten ohne in einem irgendwie angefeuchteten Zelt, weil sämtliche Hosen durchweicht sind. Das Leben ist irgendwie so lala in dem Moment.
Besser wird es zunächst auch Sonntagmorgen nach dem Aufstehen nicht. Nach der Dusche gehts allerdings besser. Wir beschließen zu siebt nun dekadent in der Innenstadt essen zu gehen. Für mich gibt es Sahneschnitzel mit Pommes. Traumhaft, auch wenn mir noch etwas flau im Magen ist. Wir sind größtenteils verkatert und in einem seligen Zustand, der uns Sachen sagen lässt wie “Wenn du ein Kind mit Ben hättest, würde es die ganze Zeit vor die Wand laufen und sich darüber auch noch freuen.” (Alternativ dazu “Wenn ich ein Kind mit dem Niggo hätte, dann hätte es die ganze Zeit schlechte Laune, könnte das aber dann wenigstens auch begründen.”)
Nachmittags werden schon einige Sachen in die Autos geräumt und ich intensiviere meinen Sonnenbrand. Danach gehen unsere Wege auseinander, weil die einen zu K.I.Z. wollen, während wir uns die Monsters of Liedermaching antun, was einfach die beste Entscheidung war. Genauso wie die Entscheidung sich jetzt bestimmt nicht ans Ende dieser langen Schlange zu stellen, sondern einfach geschickt von links das Zelt zu stürmen.
Peter Fox hat ne tolle Bühnenshow, obwohl mich der Auftritt nicht vom Hocker gerissen hat. Drei Dinge nerven mich in den eineinhalb Stunden: Ein Riese der vor mir steht. Ich mache irgendwann aus lauter Aggression einen Haken und stehe plötzlich vor ihm, er guckt mich bescheuert an, ich gucke bescheuert und böse zurück. Dann noch: ein swingendes, gut gelauntes Pärchen direkt neben mir. Weil sie annehmen, dass jeder mit ihnen mitswingt und ihr Platz unendlich ist, beschließe ich irgendwann einfach mal stur nicht mitzugehen und lasse sie anecken. Hab eh kein Schmerzempfinden mehr. Die Uschi guckt mich irritiert und leicht aggro an. Sie verziehen sich, ich bin ein Gewinner. Das Dritte sind die Leute, die zwischen den Songs “döbdöbdöb-dödödöb-döbdöb” grölen. Ich gehe kurz in mich und denke an die WM 2006 und die EM 2008 und was für elende Versager das eigentlich sind, die diesen Kirmes-Scheiß immer und immer wieder auspacken müssen. Was tut ihr hier? Geht doch Go-Kart fahren mit eurem Schützenverein ihr schwulen Mädchen. Ehrlich, da bin ich immer für zwei Minuten dem Wahnsinn nahe.
Es folgt eine kurze Pause. Ich trinke Bier, setze mich ein bisschen tot an den Absperrzaun und komme beim Anblick der an uns vorbei stürmenden Massen zu der Feststellung, dass ich mich als Band weigern würde aufzutreten, wenn mich in den ersten zwölf Reihen nur unattraktive fünfzehnjährige Pubertierende anstarren würden.
Bei Deichkind können meine Füße dann nicht mehr. Ich stehe an der zweiten Absperrung und freue mich, dass ein Großteil dieses amateurmäßigen Publikums den Text von “Papillon” immer noch nicht mitsingen kann, weil sie einfach zu blöd sind und eh nur auf Krawall und Remmidemmi gebürstet zu sein scheinen. Bei “Luftbahn” kullern mir zwei Tränen über die Wangen. Kurz bin ich von mir selbst peinlich berührt und enttäuscht, dann denke ich, dass es schön ist, wenn Menschen nicht nur eskalieren, sondern ab und zu auch mal die Augen schließen können. (Dass ich bei “Alright” von den Subways auch kurz davor war zu flennen konnte dank der Sonnenbrille keiner sehen. Ich war allein mit mir selbst und das war großartig)
Nachts um halb zwei geht´s nach Hause. Ich bin fertig, leide unter einem Sonnenstich und möchte einfach nur noch schlafen oder sterben.
Schön wars. Ich kann das sagen, ohne permanent zu eskalieren und stelle wieder einmal fest, dass ich die Leute, die auch mal nicht irre crazy, sexy und aufgekratzt sind, immer noch am liebsten mag.
Ich verabschiede mich mit den verheißungsvollen Worten “Komm ma innen Suff, du alte Mistsau” und lege mich jetzt noch ein paar Wochen hin. Pleite bin ich übrigens auch. Ist doch einfach geil :)


am Dienstag, 11. August 2009 um 13:17 Uhr
Von wem kam denn der doofe Spruch über Kinder von uns beiden?
am Dienstag, 11. August 2009 um 13:45 Uhr
Ich gebe dir ein Rätsel. Wir saßen zu siebt am Tisch, zwei von uns waren Frauen. Einer hat einen Kaffee getrunken, zwei haben eine Pizza gegessen. Der der einen Kaffee getrunken hat war nicht der der ein der Pizzas gegessen hat. Einen der sieben kennst du nicht, zwei spielen in ner Band, einer von ihnen nen Kaffee getrunken, einer die Pizza gegessen. Dann gab´s da noch die Bratkartoffeln. Der der die Bratkartoffeln gegessen hat ist der den du suchst. Pddl war in der Zeit aufm Klo kacken.
Nun musst du das Rätsel lösen? (Ich bin mir nicht sicher ob ich es taktisch geschickt gemacht hab… naja…mmhh…)
am Dienstag, 11. August 2009 um 16:11 Uhr
Nein hast du nicht, aber durchaus amüsant :D
am Dienstag, 11. August 2009 um 17:13 Uhr
Es war der Ali, Mann!
am Dienstag, 11. August 2009 um 17:54 Uhr
Gut, dass das so schlüssig war :P
am Dienstag, 11. August 2009 um 17:54 Uhr
T-Low!
am Dienstag, 11. August 2009 um 22:38 Uhr
Danke für den Bericht! Bestellt mir für nächstes Jahr schon mal ne Karte mit! Thanks… :)
am Mittwoch, 12. August 2009 um 23:39 Uhr
Ich bin im suff…und find nimma raus ;)