Valentinstag – 23 Gründe warum das ja eigentlich gar nicht sein kann

1. Ich habe mal werbetechnische Sachen für ein Busunternehmen gemacht das so hieß. Dabei fiel mir eine halbvolle 10-Liter-Sprühflasche auf den linken Zeh.

2. Ich boykottiere diesen Tag, solange mehr als die Hälfte der Männer da draußen nicht begriffen hat, dass Dreitagebärte verdammt nochmal ein Muss sind.

3. Es ist Valentinstag und ich huste wie ein Gaul, habe Zahnschmerzen an Nr. 26 und Nr. 42 und es gibt im ganzen Land keinen einzigen Arzt, der das richtige diagnositiziert und einem in Folge dessen das richtige Mittel dagegen verschreibt.

4. Am Valentinstag des Jahres 2009 liegt in Deutschland eine meterhohe Schneeschicht. Grund genug diesen Tag zu hassen.

5. Schokolade macht fett, Blumen lassen nach drei Tagen die Köpfe hängen und es nimmt mir auch keiner eine Kassette (!!!) mit seinen oder meinen Lieblingsliedern auf, so wie sich das gehört. Also was wollt ihr eigentlich? Was ist das für ein Scheißtag?

6. Der Valentinstag verleitet verzweifelte Männer dazu, zu Douglas zu rennen und ihren Frauen wahllos irgendein Scheiß-Parfum zu schenken, das penetrant nach Pfirsich, Ochsendrüse und selbstverständlich noch atemberaubend sinnlich duftet. Ich finde das nicht schön. Mal ehrlich… gehört eigentlich Vanille in so ein Fläschchen? Denkt da mal ernsthaft drüber nach, nicht nur so oberflächlich. Erkundet das mal. Vanille… gehört das in so ein Sprühfläschchen? Das ist die Frage, das ist unser Thema. Wenn ihr mich fragt, sollten alle Parfums nach feucht tropfendem Frühlingswald oder nach Waschpulver riechen. Nach irgendwas… nur nicht nach Busen … nur nicht nach Vanille.

7. Gedenkt man der Tatsache, dass jeder Hinz und Kunz einmal in seinem Leben fremdgeht und dieses Liebesgefühl nur ganz am Anfang unerklärlich und sprengstoffartig ist und sich dann immer mehr zu einem zärtlichen Pro-Kontra-Abwegungs- und Auslegungssache-Sicherheitsding entwickelt, ist diese Erfindung von Valentinstag doch irgendwie ein bisschen gaga, oder? Wir zelebrieren die Liebe, sind aber für keine zwei Minuten in der Lage, unsere Gegenüber wirklich  zu sehen, zu lieben, zu akzeptieren.

8. Liebe, wie ich sie erlebe, beobachte, empfinde, hat mehr mit Verzicht zu tun als mit allem anderen. Ich bin mir sicher alle anderen guten Dinge daran sind lange Zeit und manchmal auch für immer tausendmal intensiver und stärker, aber nichtsdestotrotz ist es meistens Verzicht. Oder es ist zehn Jahre lang schön, dann wachst du auf, hast ein Magengeschwür und denkst dir: Oh, war wohl in weiten Teilen und auf den letzten Metern doch nicht so.

9. Ich finde, man sollte Valentinstag nicht ernst nehmen, solange es da draußen Expartner gibt, die ihren ehemaligen Freunden und Freundinnen aus lauter Eifersucht hinter einem Baum auflauern und ihnen irgendwann aus Eifersucht eine Pfanne über den Schädel hauen.

10. Entweder gibt es Facebook/StudiVZ/Myspace oder es gibt die Liebe. Beides zusammen geht nicht. Und wenn ich wollte – ha – dann könnte ich das sogar irgendwie wissenschaftlich beweisen.

11. Flavour Flav sucht jetzt schon zum dritten Mal auf Mtv seine große Liebe. Und er wird sie auch diesmal nicht finden. Wenn der die nicht findet, wie soll dann unsereiner sie finden? Klingt komisch, ist aber so. Denkt mal drüber nach.

12. Es ist doch so: Im Laufe unseres Lebens begegnen uns a) Menschen die wir irgendwie auf irgendeine Art und Weise wollen, in weiten Teilen so sehr dass es schmerzt oder eben einfach nur mal so irgendwie wasauchimmer… Dann wären da zudem noch b) Menschen, die all das haben, was wir vom Gegenüber erwarten, Menschen die all unsere Ansprüche erfüllen, aber aus irgendeinem Grund taucht dieses “BoomSchackalacka-Rämälämdingdong” – Atom nicht auf um die Sache zu starten. Es versteckt sich irgendwo im Schrank, man achtet nicht drauf, man masturbiert, tut, macht, lebt so in den Tag hinein und es kommt halt nicht zur großen aufregenden Liebesexplosion. Die Tatsache, dass hier offenbar Hirn, Herz und Bauchgefühl so brutal gegeneinander arbeiten, lässt mich an der Daseinsberechtigung des Valentinstags zweifeln. Wie ballaballa ist der Mensch?

13. Es gibt zwei Arten von Menschen, so hat es zumindest manchmal den Anschein. Es gibt Menschen, die einzeln betrachtet völlige Idioten sind und erst durch das Bündnis mit einem anderen Menschen irgendwie ihr Ding machen können, sich lebendig und aufgehoben in der Welt fühlen. Und dann gibt es Menschen, die haben – frei von Trauer, Daseinskrise, Eifersucht, Selbstzweifeln – durchaus vernünftige Lebensansichten und machen ihr Ding, haben ihre Leute und ihren Kopf, werden aber zu völligen Idioten, sobald sich auch nur das kleinste Sex-Atomteilchen irgendwo einschleicht. Ich sage ganz klar: Solange Liebe und Sex eine Hälfte der Menschheit als Idioten dastehen lässt, ist es eine zweifelhafte Sache.

14. Infolgedessen entscheiden sich manche Menschen freiwillig dafür, einfach gar nichts mehr oder nur noch Grundbedürfnisse wie vögeln, atmen, essen zu empfinden, um das Risiko, ein völliger Idiot zu sein, einfach von vorneherein möglichst gering zu halten.

15. Es gibt Tage, sagen wir von Montag bis Sonntagnachmittag, da ekelt es mich fast an, dass es Menschen gibt die ihrem primären Geschlechtsorgan grundsätzlich die alleinige Entscheidung über den weiteren Fortgang des Liebes- und Sexuallebens geben. Ich will mein Herz da mitentscheiden lassen. Warum zelebrieren wir etwas, was im Endeffekt nur darauf hinaus läuft, dass wir jeden Teil unseres Körpers irgendeine Entscheidung treffen lassen, nur nicht unser Herz?

16. Ja und sind wir doch mal ehrlich – Dieses Stereotypen-Denken verdirbt uns doch alles. Wir sehen einen Menschen und ordnen ihn sofort ein. Das hasse ich an jedem von uns. Die wenigsten können doch das sein, was sie wirklich sind. Es muss doch immer eine Entscheidung geben. Bist du gut drauf oder bist du schlecht drauf? Dazwischen gibts nichts. Bist du geil oder bist du nicht geil? Entscheide dich. Sekt oder Selters? Stadt oder flaches Land? ARD oder ZDF? Manchmal, so glaube ich, hat man verschissen, wenn man zwischendrin ist. Und zwar in allem. Was den Intellekt, was das Aussehen, was das kulturelle Empfinden, was die Hoffnungen, den Klamottenstil, das spektakuläre Farbempfinden und die Wirkung auf das andere Geschlecht betrifft. Es betrifft einfach alles. Also sortieren wir. Weil es anerzogen ist, vielleicht auch angeboren. Wir sortieren und wenn wir ein Kleidungsstück in den Händen halten, das weder auf den einen noch auf den anderen Haufen passt, dann heißt das für uns: Oh, schwierig, das legen wir mal ab unter “ferner liefen”, können wir uns ja noch mit beschäftigen, wenn wir uns die anderen beiden Haufen näher angeschaut haben. Ich weiß nicht wie lange es noch dauern wird, bis auf dieser Welt nicht mehr nur zwei Schubladen aufgerissen werden können, sondern mindestens drei, wenn nicht noch mehr. Es hängt an jedem von uns, keiner kann sich davon frei sprechen. Und ja, ich glaube das hat irgendwann auch was mit der Liebe zu tun – irgendwie.

17. Jeder Tag im Jahr sollte uns daran erinnern, dass da jemand ist. Nicht nur der 14. Februar. Und so sehen das wohl mittlerweile auch die meisten Menschen. Also schafft ihn ab, diesen überflüssigen Tag.

18. Nimmt man die Liebe zum Haustier, die Liebe zu einer Band, die Liebe zum Automobil und natürich die Liebe zum Lieblingsitaliener ergibt sich daraus eine Summe die bei Weitem das übertrifft, was wir als einzig wahre große Liebe in dieser Gesellschaft ansehen.

19. Ich wette viele Paare streiten sich an diesem Tag. Wie an Weihnachten. Weil sie sich mit der Beziehung beschäftigen müssen irgendwie. Da sehnt man sich nach den Wochen zuvor, in denen man einander hatte, aber irgendwie auch auf eine ganze angenehme Weise aneinander vorbei gelebt hat.

20. Am Valentinstag fühlen sich alle Singles fett und hässlich. War doch so, oder? Und wenn nicht, kriegen wir spätestens dann einen Heulkrampf, wenn wir irgendwann abends auf der Tanzfläche so ein schön verliebtes Paar sehen. Weil Valentinstag ist, kommt uns das nochmal eine Spur dramatischer vor. War doch so, oder?

21. Die meisten Menschen würden gar nicht an Valentinstag denken, wenn die Medien einfach mal die Fresse halten würden. Dürfen die aber nicht – weil: Die Pralinenschachtelindustrie lässt es nicht zu. Eigentlich wär alles ganz einfach.

22.  Beim Versuch ihrer Freundin an genau diesem Tag die essbare Unterwäsche vom Leib zu knabbern, landen regelmäßig junge Burschen mit verdorbenen Magen noch am selben Abend oder in der darauf folgenden Nacht in den Notaufnahmen deutscher Krankenhäuser. Findet ihr das witzig, oder was?

23. Und der letzte Grund auf meiner Liste, weshalb der Valentinstag ja eigentlich gar nicht sein kann: Valentinstag ist was für schwule Mädchen.

Abschließender Satz der Verfasserin: Liebe ist so schön, dass seit Tausenden von Jahren die Menschen versuchen darüber zu schreiben, ohne jeweils einem Unwissenden die einzig richtige Erklärung geboten zu haben oder noch bieten zu können. Manchmal machen sich auch Menschen darüber lustig. Zum Beispiel wenn 14. Februar ist. Das täuscht aber nicht über die Tatsache hinweg, dass die Sache mit der Liebe – und was auch immer sie alles mit einschließen und umfassen mag – in etwas so perfekt ist wie zarter Schweinebraten, Klöße und mit Tonnen von Sauce Hollandaise übergossene Teile kleiner Möhrchen, Blumenkohl und Brokkoli. Liebe ist Stoffwechsel. Liebe ist lecker. Liebe ist manchmal Frischhaltefolie. Macht was draus.

8 Kommentare zu “Valentinstag – 23 Gründe warum das ja eigentlich gar nicht sein kann”

  1. Crazyblog schrieb:

    Oh die Gründe gefallen mir auch sehr gut.

  2. Ben schrieb:

    Valentinstag ist eben auch nur ein ganz normaler Tag im Jahr.
    Außerdem hat Lucas heute Geburtstag

  3. Niggo schrieb:

    zu 22.
    Die sollten auf die Packung schreiben, dass die Schnüre nicht essbar sind.

    Der Valentinstag ist sowieso eine kommerzielle Erfindung kapitalistischer Natur. Und ich finde es gemein, wenn nahezu alle Verpaarten das ausnutzen, um dem Partner die Meinung zu sagen. Man sollte es Pralinen&Blumentag nennen. Dann bekommt das männlein leckere Schnapsparlinen und das Weiblein hübsche Blümchen. Der Tag ist sonst wie jeder andere. Und nach drei Tagen sind die Pralinen leer, und die Blumen welk. Als wär vorher nichts gewesen.

  4. Alisa schrieb:

    Du hast sowas von Recht, Franzi!

    Schaffen wir diesen dämlichen Tag ab!!

  5. Sven E. schrieb:

    Ich bin guter Dinge, in einem Monat ist Schnitzel&Blowjob-Tag. Und, wir sind ja alle emanzipiert, auch Single-Frauen sei das Schnitzel und der belanglose One-Night-Stand an diesem Tag gegönnt.

  6. Die finalen Worte zum Valentinstag | Die Gefühlskonserve schrieb:

    [...] “Schokolade macht fett, Blumen lassen nach drei Tagen die Köpfe hängen und es nimmt … Twittern, mailen, bookmarken: [...]

  7. Conni schrieb:

    Danke für die Wahrheit Franzi.

  8. Sebastian schrieb:

    zu 1. Autsch
    zu 2. Endlich mal eine die es verstanden hat! Nehmt das ihr Milchbartlooser!
    zu 3. Autsch
    zu 4. Ja
    zu 5. Ich würds tun. Bedarf?
    zu 6. Vanille ist vom Teufel. Wie wärs mit fruchtig?
    zu 7. Ja
    zu 8. Du gibst etwas von Dir, weil Du hoffst das es Deinem Partner genauso wichtig ist wie Dir.
    zu 9. Man braucht keinen Valentinstag um dem Gegenüber seine Wertschätzung zu offenbaren.
    zu 10. Onlineverliebtheit ist belanglos bis zu dem Zeitpunkt wo man sich zum ersten Mal begegnet
    zu 11. Kenn ihn nicht, aber Prostituierte finden denk ich schwerer die große Liebe.
    zu 12. Ein gutes Zitat dazu: Man muss Herz und Kopf dazu bewegen zusammen zu arbeiten – bei manchen verkehren sie nicht einmal auf freundschaftlicher Basis.
    zu 13. Ja und Nein (zu letzterem: nicht jeder ist triebgesteuert)
    zu 14. Schade – mein ich Ernst
    zu 15. Wenn man sich nie über ein gewisses Maß in Frage stellt, kann man so recht einfach leben.
    zu 16. Das geht am Besten in dem man es sich nicht zu einfach macht und versucht so gut es geht jeden Menschen für vollwertig und wichtig zu erachten – ungeachtet seiner Herkunft, seines Besitzes oder seiner Lebensart. Schwierig mehr als die Summe seiner Vorurteile zu sein? Sicher! Nur kommt man nur so weiter.
    zu 17. Richtig
    zu 18. Systemkritisch unterschreibe ich das; persönlich denke und hoffe ich, dass Du das nicht so siehst. Und wenn ich auch arm sein sollte, hoffe ich zumindest nie arm an Träumen und Liebe zu sein.
    zu 19. Mag sein.
    zu 20. Eher nicht ;)
    zu 21. Die Floristen sind hauptsächlich schuld.
    zu 22. Naja
    zu 23. Hehe

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